„Ice possible – Drive with Care“ - Eine winterliche Woche in Michigan

  • Was für ein Einstieg :thumbup: Nicht nur äußerst unterhaltsam geschrieben, sondern auch voller Infos


    Und die Verhandlungen ums Auto liefen ja sehr erfolgreich


    Das freut mich :)


    Ja, was die Autoverhandlungen angeht bin ich eigentlich immer sehr erfolgreich und kann mir zumindest im Rahmen der Möglichkeiten das Auto was ich möchte heraushandeln wenn mir das was dasteht nicht gefällt. Als wir 2013 in New Orleans waren gab es statt dem vorgesehenen alten Jeep Compass einen Nissan Pathfinder, 2017 in Chicago statt dem Equinox aus der SFAR Choiceline einen fetten schwarzen Ford Explorer mit Panoramaschiebedach und jetzt eben den Terrain :smile:.

  • Regen und Ice im Hochsommer - ob ich sowas lesen will ... ;)


    Wie kann Hochsommer sein, wenn wir noch nicht einmal Sommeranfang hatten? :)

  • Ich bin auch noch schnell zugestiegen und freue mich auf einen unerhaltsamen Bericht :cap:


    Schickes Auto hast du bekommen, verhungert bist du auch nicht, kann losgehen


    Herzlich Willkommen :wink1:


    Ich muss nur kurz korrigieren: Verhungert bin ich NOCH nicht :smile:.


    Schickes Autochen und nett geschriebener Bericht!


    Vielen Dank, das freut mich!


    Regen und Ice im Hochsommer - ob ich sowas lesen will ... ;)


    Bei den Temperaturen die für morgen angesagt sind würde ich das als willkommene Abwechslung sehen :smile2:.


    Winter und Schnee sind zwar nicht meins, aber da ich die Ecke noch nicht kenne und mir der Schreibstil gefällt spring ich noch mit auf :wink1:


    Freut mich, dass dir mein Geschreibsel gefällt und Winter und Schnee sind auch bei einer gepflegten Antipathie im Sommer bei 32°C ganz gut zu ertragen :D.



    So, dann haue ich mal in die Tasten, dass ihr morgen früh alle was zu lesen habt!

  • Allerdings schlafe ich sehr schlecht. Hunger und Jetlag ist ne scheiß Kombination! Ich schlafe immer für ne Stunde am Stück und wache dann vom Magenknurren auf. Das wird so schlimm, dass ich irgendwann Salzbrezeln aus dem Flugzeug esse, doch auch die bekomme ich irgendwann nicht mehr herunter.


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    Zwar kämpfe ich gegen das Aufstehen immer wieder an, um fünf ist aber endgültig Schicht im Schacht und ich bin hellwach. Das Klimagerät hat über Nacht gut geheizt, also setze ich mich mit dem Laptop aufs Bett und fange an mir Notizen für den Bericht zu machen, nämlich die die ich hier gerade abtippe. Spoiler Alert: Es werden die letzten Notizen der nächsten drei Wochen werden, ab jetzt kommt alles wieder ausschließlich aus meiner Erinnerung und den Fotos die ich mache um meinem verkalkten Gehirn auf die Sprünge zu helfen.


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    Draußen stürmt es währenddessen noch ordentlich, doch der erhoffte Schnee stellt sich als ein wenig Raureif heraus der die Wiese neben dem Hotel bedeckt. Ich hab noch eineinhalb Stunden bis zum Sonnenaufgang, immerhin habe ich so Zeit ein paar Whatsappnachrichten nach Hause zu schreiben, den Koffer zu packen – komisch plötzlich an all seine Sachen selbst denken zu Müssen, zu Duschen und Zähne zu putzen. Allerdings ist all das nach einer knappen Stunde erledigt, ich habe immer noch einen Mordshunger und beschließe daher das spärliche Hotelfrühstück sausen zu lassen und direkt in den Frühstückstempel meiner Wahl – IHOP – zu fahren. Das ist durchaus jetzt schon kein Problem, Michigan City liegt in einer anderen Zeitzone und daher ist dort sogar schon alles geöffnet. Allerdings warte ich noch eine halbe Stunde, denn falls sich ein Sunrise bietet möchte ich den gern in den nahegelegenen, wobei nahegelegen ist untertrieben, ich muss theoretisch nur einmal über die Interstate drüberweg fahren, Indiana Dunes anschauen.

    Wie man beim gestrigen Wetter bereits erwarten konnte sagt der Sunrise unsere Verabredung kurzerhand ab, jetzt hält mich nichts mehr im Hotelzimmer, IHOP ich komme!

    Ich checke schnell aus, sehe ein paar Männer an ihrem wirklich jämmerlich spartanisch aussehenden Frühstück - und klopfe mir für meine Idee auswärts zu essen innerlich auf die Schulter - und steige dann in meinen Wagen. Auf dem Bild ebenfalls zu sehen: Meine Unterkunft für die Nacht.


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    Heute möchte ich einmal mit dem Navi fahren, schließlich habe ich es extra mitgenommen und weiß immer noch nicht wie viel Datenvolumen Google Maps überhaupt zieht. Diese doch recht simple Idee stellt sich aber als schwieriger heraus als sie ist, denn die Scheibe vom Terrain ist echt flach abfallend. Ich verrenke mich ganz schön und versuche fieberhaft nicht mit meinem Becken die Hupe zu drücken als ich Ashley - das Navi - verkrampft an der Frontscheibe anbringe. Gerade als ich wieder sitze fällt mir ein, dass ich ja auch noch das Ziel eingeben muss.

    Nachdem ich also nochmal akrobatisch zum Navi vorgeklettert bin kann es dann auch endlich losgehen. Mein erster voller Roadtriptag dient hauptsächlich zum Strecke machen und damit es nicht so eintönig ist gehen wir Leuchttürme anschauen, viele Leuchttürme und Sanddünen wird es auch geben.

    Zum IHOP ist es nicht weit, 15 Minuten Interstate liegen vor mir.


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    Das Wetter ist immer noch grau, windig und generell meh und kaum bin ich auf die Schnellstraße aufgefahren fällt das Navi von der Scheibe. Ich deponiere es notdürftig unter dem Schalthebel und beschließe ab jetzt wieder das Handy zu nutzen, ich habe 6GB Datenvolumen, wie viel frisst da schon „in 500m rechts abbiegen“ und Konsorten?

    Am IHOP angekommen parke ich genau nach Farbordnung, nein ernsthaft, auf der einen Seite des Parkplatzes stehen nur schwarze Autos, auf der anderen nur weinrote :smile:.


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    und dann ist es endlich wieder Zeit für american hospitality und ein Frühstück, dass in ungefähr 160 anderen Ländern dick als Abendessen durchgeht.

    Ich bekomme eine gemütliche Booth am Fenster, auf der ich leider sehen kann, dass das Wetter in absehbarer Zeit wohl nicht besser wird, eine große Kanne Kaffee und noch dazu meinen Frühstückstraum schlechthin, ein Big Steak Omelette.


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    Ich bin essenstechnisch im siebten Himmel, zum vollständigen Glück fehlt jetzt nur noch Panda Express. An sich kein Problem, ich kann die Filiale von meiner IHOP Booth sehen und genug Platz im Auto für Takeaway hätte ich auch, aber leider öffnet der erst um 11.

    Stattdessen fahre ich nach begleichen der Rechnung zuerst zum Walmart um endlich einmal mein Roadtripstarterpaket in der Winter Edition zu besorgen. Ich entscheide mich für Wasser, Cola, Müsliriegel zur Energieversorgung, sowie Cookies und damit es nicht zu kalt wird gibt es noch das große Value Pack Hand und Fußwärmer und für die innere Wärme eine Monatsration Hochprozentiges einen Thermosbecher. Das sollte gut und gern reichen, Obst als Vitaminlieferant hab ich überlegt, aber alle Früchte auf die ich Appetit hatte waren der Jahreszeit entsprechend noch recht hart.


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    Alles erledigt, dann kann der Road Trip ja jetzt starten. Ich lade die Einkäufe ein, programmiere mir meine Satellitenradiosender ein und fahre los. Pünktlich dazu fängt es jetzt an zu schneien, bisher allerdings ist von Winterpracht noch nichts zu sehen, also geht es wieder auf die Interstate und da Michigan City entgegen seines Namens in Indiana liegt dauert es noch ein kleines Stück bis der Schriftzug „Welcome to Pure Michigan“ quer über die Fahrbahn hängt.


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    Ich fahre ab, da das Welcome Center hier ganz hübsch gemacht ist und weil ich das Staatseingangsschild noch fotografieren will. Ich mache die Autotür auf und ich mache die Autotür genauso schnell wieder zu. Der Wind pfeift einfach eiskalt durch jede Ritze meiner Kleidung. Na gut, dann eben die Jacke schon im Auto anziehen und heraus in die Kälte. Ich meckere mich selber an wie ich auf die doofe Idee gekommen bin zu der Jahreszeit zu fahren – klar, ich hab mich noch überhaupt nicht an die Temperaturen gewöhnt - und mache ein paar Fotos vom hier aufgebauten Leuchtturm, vom Welcome Sign und von Marshall.


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    Zu mehr bin ich dann doch nicht fähig und rette mich zerzaust ins warme Auto zurück. Beim letzten Besuch hier waren es 25°C und ich trug eine kurze Hose.


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    Naja, das Schwärmen von alten Zeiten nützt auch nix, es geht postwendend zurück auf die Interstate und eine dreiviertel Stunde später erreiche ich St. Joseph.

    Mein erster Halt ist an einem kleinen Park mit dem etwas sperrigen Namen „Kiesel Viewing Structure“. Ich bin das einzige Auto auf dem Parkplatz und selbst wenn nicht wäre ich wahrscheinlich der einzige der aussteigt.

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    Der Wind reißt mir fast die Autotür aus der Hand, aber dick eingepackt wage ich mich auf die Aussichtsplattform,


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    die einen gigantischen Blick auf den See hat. Dieser ist wie ein Ozean voller Wellen auf denen Eisschollen treiben und durch den peitschenden Sturm aufgewühlt. Irgendwie faszinierend die Gewalten der Natur hier hautnah zu sehen, doch ebendiese steife Brise lässt mich auch relativ schnell wieder ins Auto steigen.


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    Das von Frank Lloyd Wright entworfene Haus im Ort lasse ich links liegen, und fahre weiter zum Tiscornia Park, eine noble Wohngegend direkt am North Pierhead Light. Große Boote stehen auf Trockendocks oder in Einfahrten,

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    die meisten Häuser haben kleine Türme und Dachterrassen und in eins habe ich mich sofort verliebt. War neulich auch auf Zillow zum Verkauf angeboten und für eine knappe Million Dollar inseriert.


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    Ich fahre weiter bis zum Parkplatz, dieser ist hingegen sehr gut besucht, hier die nicht gut besuchte Seite :smile:


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    und laufe zum Leuchtturm. Genau das ist aber gar nicht so einfach, denn die Wellen brechen an der Kaimauer und duschen alles was nicht bei drei vom Weg gesprungen ist. Die Aussicht war für mich nicht allzu verlockend, es gibt dann doch schöneres als triefnass durch Orkanböen zu watscheln :smile:.


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    Stattdessen fand ich einen kleinen Trampelpfad und stand kurz darauf vorn am Strand.

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    Wenn man den aus dem Sommer kennt sieht das zwar anders, aber einfach gigantisch aus. Der See hatte strahlend weißes Eis angespült und das gab einen hübschen Fotografiervordergrund. Ich knipste so lange bis mein Zeigefinger durch die Kälte unbeweglich war und joggte zurück zum in weiser Voraussicht vorgestarteten Wagen. Das war das Erlebnis durch das ich zurecht beschloss ab sofort bei jedem Stopp Mütze und Handschuhe anzuziehen.

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    Im Sommer hingegen kann man hier nicht nur heiraten, sondern im Regelfall auch trockenen Fußes zum Leuchtturm gelangen.


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    Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße sah ich zum ersten Mal wie schön bunt die Häuser hier in der Straße eigentlich gestrichen sind, bei Sonne muss das wahnsinnig toll aussehen, doch schon bei diesem Schmuddelwetter halfen sie die graue Suppe ein wenig zu vertreiben.


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    Vor mir hingegen ist alles grau in grau, vom Haus bis zum Himmel.


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    St. Joseph ist der letzte mir bekannte Ort, ab jetzt gibt es nur noch Neuland zu sehen. Über die Uferstraße geht es vorbei an recht repräsentativen Villen weiter nach Norden. Nächster Halt war dann South Haven, das war ca. 30 Minuten entfernt, mein Plan war den langen Tag mit vielen Zwischenstopps aufzulockern. Klappte hier in dem Fall nicht so ganz, denn nicht nur dass der „Leuchtturm“ hier echt unscheinbar ist, nein, in der ganzen Straße herrschte auch absolutes Park- und Halteverbot und einen Parkplatz gab es auch nicht. Kein Problem, wenn man hier keine Touristen will, dann mache ich eben nur ein suboptimales Foto aus dem Auto


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    und weiter geht es dann in die „geilste Stadt der Welt“, die hier auch wirklich eine Stadt und kein Land ist nämlich nach:


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    Die Stadt selbst lasse ich aber im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und fahre durch Beechwood zum Big Red Lighthouse,


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  • Allerdings treffen da meiner Meinung nach nur zwei Attribute wirklich auf das Bauwerk zu, aber das werdet ihr gleich selber sehen. Während das Ganze im Sommer nur gegen Bezahlung möglich ist fährt heute eine ganze Kolonne an Autos, teilweise staute es sich sogar, am Eingangshäuschen vorbei.

    Ich stieg für ein erstes Foto aus und hatte sofort ein Ganzkörperpeeling durchgeführt. Ja, der Wind hatte kein Stück nachgelassen und ich stehe direkt hinter einer Sanddüne. Zusammen mit einem anderen Wagemutigen aus dem Auto neben mir kämpfe ich mich zum Ende der Düne durch, doch schon beim ersten Foto sieht die Kamera aus wie paniert.


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    Ich habe doch etwas Angst, dass der Staub seinen Weg ins Gehäuse findet, verstecke die Kamera unter der Jacke und laufe zum Auto zurück.

    Ich fahre weiter in Richtung Lighthouse, mittlerweile sieht man den Sandsturm auch ganz schön über die Straßen und Parkplätze ziehen und wäre nicht so naiv unvorbereitet wie ich gerade.

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    Der Parkplatz ist trotz des widrigen Wetters gut gefüllt und so gelingt es mir nur knapp einen Parkplatz in erster Reihe zu ergattern.

    Merke: Erste Reihe ist bei einem Sandsturm nicht so eine gute Idee. Kaum öffne ich die Fahrertür habe ich einen ganzen Sandkasten im Mund und mein gerade eben noch so neuwertiges Auto beginnt innen merklich zu versanden. Der Sand zwiebelt auf meinem ganzen Körper und nur mit einer bis fast über die Augen gezogenen Kapuze ist es überhaupt auszuhalten. Die ganzen anderen Leute hier versuchen bis zum Lighthouse zu laufen, ich nicht. Ich stehe zwischen meinem und dem Nachbarwagen und versuche ein halbwegs vernünftiges Foto des Leuchtturms zu schießen. Der ist am Ende zwar nicht wirklich Big, aber dafür wirklich hübsch.


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    Leider mache ich den Kardinalfehler mit meinem versandeten Objektiv zu zoomen was sich in einem ekelhaften Knirschgeräusch widerspiegelt.

    Moar gerade das hat mir noch gefehlt, ich verziehe mich also zusammen mit kiloweise feuchtem Sand der an meiner Jacke klebt zurück ins Auto. Dass ein Strandbesuch im Sturm nicht die beste Idee ist hätte ich seit einem Besuch der belgischen Nordsee im Jahr 2005 eigentlich wissen müssen, aber jetzt heißt es erst einmal Schadensbegrenzung.

    Ich fotografiere noch schnell den Versuch meiner Nebenparkerin zurück ins Auto zu steigen


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    und fahre dann auf den nichtsandigen Parkplatz nebenan. Mittlerweile fängt es auch an zu nieseln, sodass der Sand außen an meinem Auto überall anklebt. Felgen, Fenster, Schweller, Spiegel, alles trägt jetzt einen orangenen Überzug.


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    Im Auto selbst kehre ich einen halben Sandkasten von Fahrersitz und Instrumenten und reinige meine Kamera mit dem Pinsel. Zum Glück ist das knirschende Geräusch jetzt weg.

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