Tag 15 (12.05.2024) - Das Konzert im House of Blues: Ad Infinitum, HammerFall und Kamelot
Jetzt haben wir aber wirklich lang genug für das Konzert angestanden... Aber ich bin ja immer früh vor dem Einlass da. Normalerweise zwar keine 3 Wochen, aber was soll's
Dafür bekommt ihr jetzt extra viel Text ... und Videos, die ich hier mal wieder nicht einbetten kann. Wen es interessiert muss auf den Link klicken!
Wir stehen immer noch vor der Bühne und haben noch eine Stunde Zeit, bis der Support loslegt. Die Atmosphäre ist extrem entspannt und schon jetzt fällt mir auf, dass jeder eine ganze Menge Platz hat und niemand vor der Bühne drängelt. Das ist bei so kleinen Locations auch in Deutschland manchmal noch der Fall, aber bei größeren Konzerten geht der Kampf in den ersten fünf Reihen meist schon lange vor dem Konzert los - hier nicht. Links neben mir steht eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter, die beide sehr nett sind und mit denen ich leicht ins Gespräch komme. Rechts habe ich einen Typen, der kein Wort mit mir wechselt und hinter mir eben Robin in seinem Gewehr-Hawaii Hemd
Auf Nachfrage verteilt die Security sogar jedem, der welche haben will, Ohrenschützer. Bei uns kosten die Geld
Ich habe aber mittlerweile seit mehreren Jahren meine eigenen dabei, bei so vielen Konzerten sollte man ein bisschen auf die Ohren aufpassen, vor allem, wenn man immer in der ersten Reihe direkt vor den Boxen steht. Der Tinnitus Nachts im Bett ist seitdem nicht mehr vorhanden und außerdem klingt alles ein bisschen besser, weil die Teile Störgeräusche und Übersteuerung ganz gut rausfiltern.
Nach einer interessanten Unterhaltung über Flugzeuge (Robin ist Kampfjet Pilot) kommt plötzlich, 10 Minuten vor Beginn, eine Durchsage, ähnlich der Sicherheitsunterweisung im Flugzeug, mit Beschreibung der Notausgänge etc. Ich muss ein bisschen lachen und Frage ihn, ob das in den USA bei Konzeten normal ist und er bestätigt... Was wundere ich mich eigentlich
Wundern würde es mich außerdem nicht, wenn jetzt auch noch die National Hymne kommen würde, aber davon bleiben wir dann doch verschont 
Können wir dann mal? Ich hab Bock!

Um Punkt 19 Uhr hat das Warten endlich ein Ende und die deutsche Band Ad Infinitium (Lateinisch für "Bis ins Unendliche") um Front Sängerin Melissa Bonny kommt auf die Bühne. Gegründet wurde die Symphonic Metal Band im Jahr 2018 und das hier ist die aller erste Tour außerhalb von Europa. Schon verrückt, da fliegt man bis Las Vegas, nur um eine kleine, lokale Band von zuhause zu sehen, die das erste Mal in der großen weiten Welt unterwegs ist 



Normalerweise kann ich mit female fronted Bands nicht viel anfangen, es gibt ein paar wenige Ausnahmen, aber mein Fall ist es nur selten. Das liegt meistens gar nicht so sehr an der Stimme selbst, sondern eher daran, dass mir viele Frauen grundsätzlich einfach super unsympathisch sind
Vor allem auf der Bühne. War schon immer so, ändert sich vermutlich im Großen und Ganzen auch nicht mehr, aber Ad Infinitum gefällt mir! Melissa singt gleichzeitig klar und growlt aber auch zwischendurch - Cool wenn man beides kann und umso cooler, wenn sich Zweiteres in Grenzen hält
Früher konnte ich das gar nicht ertragen, mittlerweile sind einzelne Zeilen zwischendurch okay, nur bitte nicht durchgehend.
Bei diesem Auftritt ist es noch mehr so ein "ist okay" für mich, aber mittlerweile sehe ich die richtig gerne und war mittlerweile auch auf deren Headliner Tour in Köln letztes Jahr. Ich finde aber auch, dass sie seit dem Las Vegas Auftritt besser geworden sind. Der Sound vor Ort ist eigentlich ziemlich gut, kommt nur auf den Videos leider nicht rüber, anscheinend stehen die Boxen kacke für Aufnahmen. Ich verschone euch trotzdem nicht, gehört ja dazu! Nur eben mit dem Hinweis "In echt war besser" 
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845008-b33cd93362052427f411abb02fc0e167.mp4
Ad Infinitum - See you in Hell
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845009-6b28171cba3ca4f3c4836e4f72a65fc0.mp4
Ad Infinitum - Eternal Rains
Nach einer halben Stunde ist der Spaß auch schon wieder vorbei, das traurige Los des ersten Supports, wenn es auch noch einen Special Guest vor dem Headliner gibt. Ich denke mittlerweile finde ich Ad Infinitum alleine deshalb besser, weil ich die Auswahl der Setlist für den kurzen Vegas Auftritt für nicht besonders gelungen halte.
Egaaaaaaaal, jetzt wird umgebaut für den Grund, warum ich überhaupt hier bin! Alles andere ist Bonus und ich freue mich schon darüber, wenn man sich den Rest gut anhören kann und nicht nur ertragen muss 
Das hier wird jetzt mein 14. HammerFall Konzert (Mittlerweile sind wir bei 16) und es ist die erste Band, die ich jemals live gesehen habe, im Januar 2007, damals noch mit meiner Mutter als Begleitung (Die sie auch gerne hört). Warum habe ich also den Aufwand betrieben und meine Rundreise für einen Auftritt von vielen unterbrochen? Weil ich's kann
Nein, das Hauptargument für mich war eigentlich, dass HammerFall in Europa deutlich größere Hallen füllt und einfach wesentlich bekannter ist als in den USA. Bei uns wird es also so schnell keinen Auftritt in einer derart kleinen Location geben und das fand ich als Abwechslung zu mehreren Tausend Leuten einfach mal eine schöne Abwechslung. Mittlerweile gibt es die schwedische Heavy Metal Band seit 29 Jahren ... Und ich war mit 15 beim 10 jährigen Jubiläumskonzert in Köln dabei. Ich bin alt
Zugegebenermaßen gibt es mittlerweile einige Bands, die ich live lieber sehe und auch häufiger höre, aber HammerFall ist einfach meine erste große Musik Liebe gewesen, die meinen gesamten Musikgeschmack bestimmt und geprägt hat, und wird daher für immer einen Sonderstatus bei mir haben - zumal ich bis 2020 auch auf gar keine anderen Konzerte gegangen bin, außer mal ganz sporadische Ausnahmen. Nicht umsonst habe ich ein Portrait von Sänger Joacim Cans auf meinem Unterarm tätowiert und Hector, das Bandmaskottchen, auf dem Oberarm. Ich weiß heute noch, wann und wo ich das erste Lied von HammerFall gehört habe und welches es war: Remember Yesterday, gehört mit 13 auf dem MP3 Player meines damals besten Freundes, morgens vor der Schule am Fahrradkeller. Das Lied ist sogar massentauglich für euch, auch ohne Metal zu hören
Ein softer Einstieg für mich damals und ich liebe diese Stimme bis heute.
So, genug gelabert, Zeit für Eskalation. Also... Ich eskaliere. Als einzige im Raum. Aber egal
Der Rest ist schließlich wegen Kamelot hier, abgesehen von den zwei deutschen Ad Infinitum Fans, die ich schon heute Mittag im Hotel gesehen habe.

https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845012-ece296378fe1255d4d5c4829d14bb8d3.mp4
HammerFall - Heeding the Call
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845013-28b2976a7280b1756f20294ab53f65c0.mp4
Hammerfall - Hammer High
Man beachte Oscars coole Hammer Gitarre 
"Hammer high until I die" steht übrigens auch auf meinem Handgelenk, direkt unter dem Portrait mit Unterschrift 
Und natürlich kommt auch noch die neue Single "Hail to the King", die erst vorgestern rausgekommen ist und über die ich im wunderschönen Zoo von Roswell noch mit Dominik diskutiert habe. Live gefällt es mir dann doch besser als der erste Eindruck auf Spotify.
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845014-05cc064a5a21c5118aa161ebf348d2ec.mp4
Hammerfall - Hail to the King
Es gibt genau zwei Band Mitglieder die seit der Gründung 1997 mit am Start sind und das sind Sänger Joacim Cans und Bandgründer und Lead Gitarrist Oscar Dronjak. Letzterer hat seinen Platz genau vor meiner Nase und bekommt die ganze Zeit durchaus mit, dass ich alle Lieder auswendig kenne und meinen Spaß habe
Aber das ist hier auch kein Wunder, denn um mich herum hat HammerFall noch nie jemand live gesehen und auch bei der Frage, wer denn schon mal da war, melden sich nur gaaaaanz vereinzelte Leutchen. Überhaupt geht hier niemand so richtig ab, das ist in Deutschland komplett anders, hier stehen alle irgendwie verhalten in der Gegend herum und nicken maximal ein bisschen mit dem Kopf bzw. wippen mit dem Fuß. Das liegt aber nicht an der Bekanntheit von HammerFall, denn das ändert sich selbst bei Kamelot nicht. Das hat natürlich den Vorteil, dass man die Show in Ruhe genießen kann und jeder seinen Freiraum ohne Gedrängel hat, aber dafür den Nachteil, dass die Stimmung schon irgendwie massiv darunter leidet.
Richtig wild wird es, als Robin sich bei mir entschuldigt, weil er glaubt, dass er mich beim springen iiiiirgendwann mal ausversehen kurz berührt hat. Wtf?
Der soll mal auf ein deutsches Metal Konzert und ab in den Moshpit. Das ist absolut nichts für mich, aber der Kontrast ist schon hart. Überhaupt berührt sich hier niemand, ich glaube auch, dass die Location weit entfernt von ausverkauft ist, trotz der kleinen Größe. Das wundert mich eigentlich schon, denn weder HammerFall noch Kamelot sind unbekannt (Letztere in den USA erst recht nicht), Las Vegas ist eine große Stadt und der Preis war mehr als fair, grad für amerikanische Verhältnisse.


Oscar bedankt sich am Ende für meinen Einsatz mit einem Plek, das er mir in die Hand drückt und dafür extra von der Bühne kommt. Leider hat sich das Design jetzt einige Jahre nicht verändert, weshalb ich exakt das Gleiche bereits zuhause liegen habe - naja. Und auch auf meinem Arm habe, denn es hat damals als Vorlage gedient 

Das checke ich selbst in dem Moment aber gar nicht, sondern Robin macht mich darauf aufmerksam. Wie witzig 

Geil war's, wie immer!
Während der Umbaupause zu Kamelot wage ich es schließlich noch einmal mich auf den Boden zu setzen und den Füßen eine kurze Pause zu gönnen. Wenn ich jetzt rausgesworfen werde ich es nicht mehr ganz so schlimm
Passiert aber nicht, diesmal hält mich niemand auf, aber hier sind ja auch nur noch Metal Heads und keine abgewrackten Zombies Premium Casino Kunden.
Mit Kamelot bin ich beim reinhören nie so 100% warm geworden. Es gibt ein paar richtig coole Songs, vieles gefällt mir aber auch gar nicht, von daher bin ich jetzt mal gespannt. Live ist es auf jeden Fall besser, alleine schon, weil Bühnenbild und Show passend und cool inzeniert sind. Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass es in vielen Kamelot Songs eine zusätzliche, weibliche Stimme gibt, aber keine Frau fester Bestandteil der Band ist. Den Part übernimmt live jetzt praktischerweise Melissa Bonny von Ad Infinitum - Wenn sie nichts zu singen hat steht sie halt im Hintergrund, wackelt ein bisschen rum und sieht gut aus
. Kamelot ist übrigens im Großen und Ganzen die einzige, relativ bekannte Power Metal Band aus den USA. Das ist mein absolut favorisiertes Metal Genre, weil es einfach super melodisch und catchy ist... Und meistens ein bisschen witzig was Themen und Live Auftritte angeht (Kamelot ist für eine Power Metal Band aber eher düster). Die meisten Bands kommen aus der Richtung aber mit Abstand aus Europa, ganz viele sogar aus Deutschland.
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/vide…e07a32b7879.mp4
Kamelot - Veil of Elysium
Ganz hübsch ist Sänger Tommy Karevik übrigens auch, im Metal Bereich nicht immer selbstverständlich 


Ballade muss auch sein!
https://www.amerika-forum.de/data/xfmg/video/2845/2845028-fdf91c75a3870b13a5a6d7604d62dd67.mp4
Kamelot - Willow
Zwei Sachen gehen mir allerdings ziemlich auf den Sack. Da wäre einmal die Tatsache, dass mein absoluter Kamelot Lieblingssong "Center of the Universe" nicht gespielt wird! Die Chancen stehen immer 50:50, weil entweder der Song in der Setlist landet, oder "When the Lights are down". Bei diesem Zweig der Tour ist es leider letzteres. Danach kommt übrigens die Europa Tour im Herbst, bei der ich ebenfalls nochmal in Oberhausen war, weil meine beste Freundin Kamelot Fan ist. Guess what: In der ersten Hälfte des Europa Zweiges wurde Center of the Universe gespielt, in der zweiten Hälfte When the Lights are down. Ihr dürft gerne raten, zu welchem Teil Oberhausen gehörte 
Der zweite Störfaktor ist das Gekreische der Super-Fan-Girls, direkt hinter mir, die mein Trommelfell schon seit längerem malträtieren. Überhaupt sind - für ein Metal Konzert - ungewöhnlich viele Frauen hier! Es würde mich halt auch nicht wundern, wenn die sich gleich nackt ausziehen, auf die Bühne klettern und Tommy ablecken. Aber wir sind hier ja immer noch in den USA, also doch eher unwahrscheinlich. Nach besagtem When the Lights are down gebe ich mich geschlagen und mache meinen Platz in der ersten Reihe frei. Einmal zum Schutz meiner Ohren und einmal für mein Karma, denn die Gruppe sind eindeutig die größeren Fans und ich hatte schon alles, was ich wollte. Immerhin sind sie sehr dankbar und ich sehe sogar fast besser, weil ich meinen Kopf nicht mehr in den Nacken legen muss
Geil ist auch, dass ich von einer random Frau im Ad Infinitum Shirt angesprochen werde, weil sie sich bedanken möchte, weil ich so nett zu den Mädels war... Aber sie gehört nicht einmal zu denen
Verrückt!

Gegen Ende werde ich seeeeeeeeeehr müde, aber auch kein Wunder nach der kurzen Nacht, der langen Fahrt, dem Flug, dem Marsch zum Hotel und dem heißen Nachmittag auf dem Strip. Die nächste Nacht wird ja auch nicht besser
Gegen 23 Uhr ist das Konzert, das mir insgesamt super gut gefallen hat, dann auch zuende und ich tausche Instagram mit Robin aus, er kommt dann aber noch mit mir zum Souvenir Stand. Für mich wird es natürlich das Tour Shirt in S und noch einmal in M für Dominik, der mich darum gebeten hat, sofern es ein US Shirt gibt. Ich persönlich finde sowas ja immer blöd und würde es nicht anziehen, wenn ich nicht selbst da war, aber das muss er ja selbst wissen 

Robin kauft sich ein HammerFall Hemd, es scheint ihm also auch sehr gut gefallen zu haben.
Er übernachtet ebenfalls im Luxor und so machen wir uns gemeinsam auf den Weg zu den Aufzügen und verabschieden uns dann. Ein netter Kerl, aber ich finde es auch nicht schlimm, dass ich ihn jetzt wieder los bin, einige Gesprächsthemen waren dann doch etwas wild. Ich futtere jetzt nur noch schnell mein Banenebrot von heute Mittag, schicke Dominik ein Bild von dem Shirt, trink einen Schluck und knalle mich ins Bett - der Wecker geht in nicht einmal drei Stunden für den Rückflug nach Albuquerque.