Tag 18 (15.05.2024) - Die Fahrt zur Grenze und ein Besuch im Four Corners Monument
So richtig viel Plan habe ich heute nicht mehr, seit meine Colorado Idee gestorben ist. Grob möchte ich mir heute Nachmittag irgendwann eine Site im Goosenecks State Park sichern und irgendwie mal runter zum San Juan River laufen, der steile Honaker Trail steht schon was länger auf meiner Liste. Dazwischen ist ziemlich viel Nichts, abgesehen vom Shiprock, an den man nicht wirklich heran kommt, und diesem komischen Four Corners Monument, das irgendwie total pointless ist, aber nunmal auf dem Weg liegt und mich bisher noch nicht gesehen hat. Ich glaube, da halte ich gleich einfach mal an und rege mich darüber auf, wie sinnlos ich das Geld für den Eintritt verschwendet habe ![]()
Aber zunächst mal muss ich von den Bistis die gleiche Strecke zurück nach Farmington, dank meiner Trödelei am Morgen ist es mittlerweile auch schon 12 Uhr Mittags.
Einen kleinen Boxenstopp lege ich in Farmington noch beim Starbucks ein, es wird mal wieder Zeit für einen Zuckerschock in Form eines Iced White Chocolate Mokkas und eines Bananenbrotes. Ich setze mich kurz nach draußen, aber irgendwie ist es mir zu windig, also esse ich nur schnell, während ich ein paar Nachrichten beantworte. Wer weiß, wie viel Netz ich nachher noch haben werde!
Das Getränk nehme ich mit ins Auto und mache mich wieder auf den Weg, immer schön in Richtung Utah!
Von Farmington aus geht es geradewegs in den Westen, dabei überquere ich den San Juan River gegen 13:30 Uhr! Wenn alles glatt läuft, dann sehe ich diesen Fluss nachher noch auch nächster Nähe ![]()
Die Strecke gibt nicht sonderlich viel her...
... bis plötzlich einige hübsche, rote Blumen am Straßenrand auftauchen und im Hintergrund der markante Shiprock zu sehen ist. Für die Navajo hat dieser Felsen eine tiefe religiöse und kulturelle Bedeutung, was auch der Grund ist, warum alle Straßen dorthin gesperrt sind und man sich mit dem Anblick aus der Ferne begnügen muss.
In der Schöpfungsgeschichte war der Shiprock die Heimat des Monsters "Tsé nináhálééh" und seiner Frau. Die beiden geflügelten Wesen gehörten zu den mythologischen Naturgefahren, die erst durch den Monstertöter erschlagen werden mussten, bevor die Navajo sicher die Erde bewohnen konnten. Der Monstertöter verschonte die Nachkommen der beiden Monster, aus ihnen entstanden Adler und Eule.
Laut einer anderen Erzählung lebten die Menschen auf dem Shiprock und verließen ihn nur, um an Wasser zu gelangen und um Landwirtschaft zu betreiben. Eines Tages soll ein Blitz eingeschlagen sein, der jeglichen Zugang zerstörte und nur schroffe, steile Felswände und -nadeln hinterließ. Die Bewohner, die sich zu dem Zeitpunkt auf dem Gipfel befanden, wurden dadurch von der Nahrungsmittelversorgung abgeschnitten und verhungerten. Ab diesem Zeitpunkt bestiegen die Menschen den Felsen nicht mehr, da sie sonst die Geister der Toten wecken würden.
Danach geht es einsam weiter...
... bis die Landschaft langsam interessanter wird.
Gegen 14:20 Uhr erreiche ich schließlich den Abzweig des Four Corners Monuments und weiß schon hier, wie albern ich das alles finden werde
Aber was soll's, auch dieser Tag muss gefüllt werden.
Das Four Corners Monument liegt, wie der Name schon sagt, genau auf der Grenze von vier verschiedenen States und zwar New Mexico, Utah, Arizona und Colorado. Verwaltet wird der ganze Bumms von der Navajo Nation, ich kann mir also schon ungefähr vorstellen, was mich gleich erwartet. Mal ganz davon abgesehen.... Was haben die Navajos eigentlich bitte mit den Staatsgrenzen zu tun, außer, dass sie zufällig auf deren Gebiet verlaufen und Einnahmen generieren können?
Einige Menschen mögen positivere Erfahrungen gemacht haben, ich wurde von der Freundlichkeit dieser Menschen noch nicht wirklich umfassend überzeugt, mal sehen ob sich das hier ändert.
Symapthisch auf jeden Fall, dass die Navajos nicht Schuld sind, sollte meinem Körper in diesem Monument etwas zustoßen
Wie lange geöffnet ist weiß man wohl auch nicht so genau, jetzt gerade ist es aber offensichtlich der Fall.
8$ dafür, dass man in vier States gleichzeitig stehen kann - Weiß ich nicht, vor allem, wenn das Monument Valley das gleiche kostet. Da kann man ja dann doch ein klein wenig mehr Zeit verbringen
Aber ich wusste es vorher, ich bin jetzt hier, also wird gelöhnt.
Bzw... Ich würde gerne löhnen, die Navajo Dame im Kassenhäusschen macht es mir allerdings nicht ganz so leicht und somit ändert sich an meiner Meinung dieses Volkes gegenüber auch heute leider nichts. Es handelt sich um einen dieser ganz seltenen Momente, in denen ich gern Bar zahlen würde, weil der Betrag erstens gering ist und ich der Frau meine Karte irgendwie nicht gern aushändigen möchte - Selbst an das Lesegerät halten darf ich nämlich nicht. Muss ich dann aber doch tun, denn überraschenderweise ist man hier so modern, dass kein Cash angenommen wird. Dieses Kartenlesegerät hat sich dann allerdings überlegt, dass es ganz gern meinen Pin hätte - Die Dame hinter dem Fenster fand das komplett awkward, sowas hatte sie offensichtlich noch nie zuvor gesehen, ich dagegen fand das relativ normal. Jetzt hat sie mir aber das Teil nicht einfach durch's Fenster gegeben, damit ich den Pin eingeben kann, nein, ich muss mich wie ein Vollspast mit meinem kompletten Oberkörper durch mein Autofenster und ihr Fenster lehnen und die Zahlen irgendwie treffen, während ich einen Krampf in beiden Beinen gleichzeitig bekomme. Nur um dann auch noch dumm dafür angemacht zu werden, dass ich überhaupt einen Pin eingeben muss. Das MUSS ja meine Schuld sein, sowas hat es hier schließlich noch nie gegeben.
Ja, alles klar. Nach diesem herzallerliebsten, warmen ersten Eindruck fahre ich völlig tiefenentspannt und gut gelaunt auf den riesigen Parkplatz. Viel los ist hier übrigens nicht, komisch, oder?
Die Vierer-Grenze selbst ist aber eigentlich nur Nebensache in diesem Monument. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um einen Trödelmarkt für Navajo Schmuck, der in jedem einzelnen der Kammern, die sich im Kreis um die Grenzen herum befinden, angeboten wird. Es gibt natürlich auch an jedem Stand exakt dasselbe. So genau schaue ich mir das mangels Interesse aber nicht an und zum Glück wird man hier auch in Ruhe gelassen. Viel geiler finde ich allerdings das hier:
Es ist einfach KEINE SAU hier, außer diese handvoll Personen, die ihr auf dem Bild schon gesehen habt. Aber es ist absolut essenziell, dass man hier bloß nicht mehr als drei Fotos pro Person macht. Wahrscheinlich kann man sich die Erlaubnis für drei weitere Fotos erkaufen, in dem man weitere 8$ Guthaben investiert
Ist aber auch alles nicht so schlimm, mehr als drei gleich aussehende Bilder muss ich sowieso nicht machen und ich verzichte auch auf die üblichen Gymnastikübungen, die hier ein beliebtes Fotomotiv sind und einen in allen vier States gleichzeitig zeigt.
Immerhin kann ich hier temporär kurz aus New Mexico rauslaufen, bevor auch mein Auto es gleich entgültig verlassen darf ![]()
Nach meinen drei Fotos schaue ich mich panisch um, aber ich sehe keine Scharfschützen, die mich attackieren, sobald ich es wage ein viertes mal auf den Auslöser zu drücken. Wird wahrscheinlich auch nicht passieren, denn in dem Fall könnte ich ja nicht mehr Geld dafür bezahlen
Anyway... Reicht mir, ist alles genauso unnötig wie ich es mir vorgestellt habe. Aber manchmal muss man seine Vorurteile ja auch einfach verifizieren
Ich würde sagen: Haken dran, ich war endlich hier, muss ich nie wieder hin. Wir sollten jetzt schnell nach Utah fahren.
