„Ice possible – Drive with Care“ - Eine winterliche Woche in Michigan

  • Ihr wolltet Reisebericht, ihr bekommt Reisebericht :smile:.


    Ich habe eine Weile überlegt mit welchem meiner Berichte ich hier im Forum starte und mich am Ende für den entschieden, der eine eher unbekannte Ecke des Landes und das Ganze noch dazu zu einer eher weniger beliebten Reisezeit anreißt. Warum? Nun ja, diese Reise gehört faktisch zu der, die ich mit lunchen im Jahr 2019 gemacht habe und könnte doch konträrer nicht sein.


    Zwar bin ich "nur" sieben Tage unterwegs und das auch noch ganz allein, doch einsam wird es garantiert nicht und ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf meiner ersten Soloreise begleitet.


    Damit hier niemand ins kalte Wasser geschmissen wird noch die Eckdaten:


    Ich fliege mit der Oneworld-Allianz von Berlin-Tegel nach Chicago, die innereuropäischen Hüpfer übernimmt British Airways, über den großen Teich geht es dann im Dreamliner mit American Airlines. Den Mietwagen stellt und Hertz, hauptsächlich, da ich mit meinen damals 21 Jahren bei allen anderen Vermietern die bösen drei Buchstaben YDF und somit eine horrende Jungfahrergebühr auf dem Mietvertrag haben würde, die ich dank ADAC-Mitgliedschaft und speziellem CDP-Code komplett umgehen konnte. Außerdem bin ich hier Gold Member geworden um das Schlangestehen zu Umgehen, auch wenn ich zu Zeiten ankomme in denen es normalerweise keine Schlange geben sollte. Geschlafen wird im großen und Ganzen in Kettenhotels am unteren Ende der Preisskala, die jedoch allesamt vollkommen in Ordnung waren, allerdings gibt es auch mehrere "Ausrutscher" in nettere Mittelklassehotels.


    Zuguterletzt noch der Zeitraum, wir werden vom 23.02.2019 bis zum 02.03.2019 unterwegs sein und mit dieser letzten Info im Gepäck kann es dann auch schon losgehen!



    "Michigan? Was zur Hölle willst du denn in Michigan? Und dann auch noch im Winter?!"



    Diesen Satz habe ich doch das ein oder andere Mal zu hören bekommen und um diese Frage zu beantworten muss ich doch ein wenig weiter ausholen.

    Wir schreiben das Jahr 2015, Deutschland ist immer noch amtierender Fußballweltmeister, die USA werden noch von Präsident Obama regiert und der Schreiber dieser Zeilen schrieb nicht nur sein Abi und durfte endlich ohne Begleitperson automobile Kraftfahrzeuge steuern, sondern urlaubte das vierte Mal in den Vereinigten Staaten, wer das noch nicht wusste, dem kann ich folgende Lektüre ans Herz legen:


    [Unverhofft kommt oft - 21 Tage durch Chicago und vier Staaten des Westens im Juli '15 - wird später sicherlich auch mal hier veröffentlicht]


    Natürlich waren meine Eltern und ich auch in diesem Jahr Besitzer eines Nationalparkpasses auf dessen Front ein Bild einer Gegend abgebildet war, die ich noch nie zuvor in den USA gesehen hatte. Dichtbewachsene Sandsteinklippen fallen in ein tiefblaues Gewässer ab und präsentieren einen gigantischen Sea-Arch.


    In diesem Moment war es irgendwie um mich geschehen. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man ohne wirklich objektive Gründe zu haben unbedingt zu einem bestimmten Ort hin MUSS? Genau dieses Gefühl hatte ich ab sofort wenn ich diese Sandsteinklippen sah, die sich als Pictured Rocks National Monument herausstellten.


    Jetzt mögen einige sagen „Moment, dieses Bild ist bei einer sommerlichen Kanutour entstanden, warum zur Hölle fährst du dann im Februar?!“


    Nun ja, das ist ganz einfach erklärt. Mir gefielen die Sommerbilder immer sehr gut, doch beim Recherchieren stieß ich immer öfter auf Winter Treks durch die verschneite Landschaft. Die finale Entscheidung gab dann aber ein ganz bestimmtes Motiv. Ich kann es hier nicht verlinken, aber wenn ihr in der Suchmaschine eures Vertrauens einmal „Pictured Rocks Joe Braun“ eintippt dann findet ihr sie. Irgendwie imponierte mir die Kombination aus Winter Wonderland und Einsamkeit so sehr, dass der Winter die favorisierte Jahreszeit wurde, trotz Temperaturen im zweistelligen Minusbereich.


    Ich muss das jetzt mal klarstellen, ich hasse Kälte, aber der Hauptgrund dafür ist, das ein deutscher Winter in meiner Gegend im Regelfall so aussieht, dass es von November bis März ekelhaft nasskalt ist und dann irgendwann um den 15.03. tatsächlich einmal 5cm Schnee fällt, der dann für einen Tag liegen bleibt und, während er von einem Großteil der Leute einfach ignoriert wird, einen Teil der Bevölkerung dazu bringt das Auto stehen zu lassen und 10kg Streusalz auf dem akkurat geschobenen Gehweg zu verteilen während die anderen sonntags mit ihren 20 Jahre alten BMWs auf dem Nettoparkplatz versuchen zu Driften.


    Aber hier gibt es richtigen Schnee und zwar den ganzen Winter über und wenn ich schon mit der Erwartungshaltung dort hinfahre, dass ich Schneemassen sehe, dann ist mir die Temperatur auch egal.


    Punkt zwei auf der „Will ich mal gesehen haben“-Liste war Detroit.


    Nicht, wie man jetzt vielleicht denken könnte während der Big Three aka GM, Ford und FCA die hier ansässig sind, nein, irgendwie fasziniert mich die Stadt schon seit sie wegen ihres fulminanten Bankrotts in den Nachrichten allgegenwertig war.


    Ich wollte mir selbst ein Bild machen von einer Stadt, die in den Nachrichten nur als krimineller Moloch verschrien war, mich faszinierte dieser Absturz von der reichsten Stadt der USA zu den Ruinen ihrer selbst, dieser teils morbide und verfallene Charme, aber auch der hoffnungsvolle Aufschwung, der seit ein paar Jahren wieder durch die Stadt zieht. Natürlich schaue ich auch mal bei den Autoherstellern vorbei, aber vor Allem steht die Stadt im Mittelpunkt, auch wenn ich dort am Ende weniger Zeit verbringen werde als in den hervorragenden Museen.


    Mit diesen Zielen und der Prämisse „es wird nichts doppelt gefahren was nicht doppelt gefahren werden muss“ kristallisierte sich nach und nach die folgende Route heraus. Ich werde in Chicago starten – der Flug war einfach wieder unfassbar günstig – und von dort aus am Ostufer des Lake Michigan hinauffahren, die Mackinac Bridge überqueren und nach ein paar Tagen auf der UP genannten oberen Halbinsel durch Zentralmichigan nach Detroit und schließlich zurück nach Chicago fahren. Dafür hatte ich mir sieben Tage Zeit genommen.


    Für die visuellen Typen unter euch sieht das dann so aus:




    So, Route fertig, fehlen noch die Übernachtungen. Da das Carcamping in dieser Region zu dieser Jahreszeit der sichere Tod durch Erfrieren wäre war recht schnell klar, dass ich hier einen großen Kostenfaktor haben werde, nämlich sieben Hotelübernachtungen. Nach kurzer Recherche stellte sich jedoch heraus, dass das Ganze wesentlich weniger auf den Geldbeutel geht als befürchtet. Da sich sonst nur wenig Touristen im Februar durch Michigan schlagen waren die Hotelpreise angenehm niedrig. Oftmals zahlte ich für eine Nacht zwischen 30 und 50USD. Ausnahmen waren hier Detroit, weil ich hier ein super Angebot für ein Best Western Premier bekommen hatte und Munising. Hier werde ich länger als eine Nacht bleiben und wollte daher natürlich nur das Beste. „Nur das Beste“ stellte sich dann als Holiday Inn Express heraus, war super bewertet und hatte einen Whirlpool. Das Gesamtpaket war es dann welches mich überzeugte mein teuerstes Hotel der Woche ausgerechnet am Arsch der Welt zu haben, doch Munising ist teuer und auch die Alternativen hätten mir höchstens 15USD pro Nacht gespart.


    Das letzte fehlende Puzzleteil war dann noch der fahrbare Untersatz. Beim Blick auf die Temperaturen und die prognostizierte Schneemenge war klar, ich brauche Allradantrieb und ich brauche eine Sitzheizung :smile:. Um beides zu vereinen buchte ich also einen Midsize SUV ab Chicago O’Hare, auch der war nur marginal teurer als ein Midsize PKW und kostete mich für die Woche 210€. Erwarten würde mich bei Hertz einen Jeep Cherokee o.Ä. und für mich alleine reicht der locker aus.




    So weit war alles vorbereitet, die Spritpreise taten mir den Gefallen noch einmal ordentlich runterzugehen und kurz vor Abflug gab es dann nur noch zwei Amtshandlungen.


    1. Koffer packen:

    Hier gibt es keine Exkurse für die perfekte Packtechnik. Ich bin ein Mann, Koffer auf, Tetris spielen, Koffer zu, fertig. Daher gibt es auch dieses Jahr keinerlei Packing Cubes, dafür aber ziemliche Gewichtsprobleme, da ich nicht nur das schwere Stativ mitschleppe sondern auch noch für zwei vollkommen unterschiedliche Klimate Kleidungsstücke bei mir habe. Nachdem ich mich am Ende doch noch gegen die Mitnahme dreier weiterer Pullover entscheide starte ich schließlich mit 22,4kg. Souvenirs werden also auf ein Minimum reduziert und geshoppt wird nicht. Habe ich eh keine Zeit für :smile:.

    2. Reisebibel erstellen und ausdrucken:

    Habe ich sonst immer einen einfachen DIN A4 Hefter bei mir gehabt wurde es diesmal, man könnte fast meinen aus Gruppenzwang, eine fette Präsentationsmappe mit Grafiken, Karten und allem was man so braucht. Einen Schnellhefter mit leeren Folien hatte ich dennoch mit, schließlich fallen auch in diesem Urlaub wieder Broschüren, Tankbelege, Mietverträge, etc. an die irgendwo ein zu Hause finden müssen.

    Ende vom Lied? Ich habe nicht einmal wirklich in die Bibel geschaut weil ich meine Planung eh im Kopf hatte und habe mich daher entschieden, dass es das im nächsten Urlaub nur noch digital mit BackUp gibt. Aber schön sah sie schon aus und daher war sie dann halt nicht meine Reisehilfe sondern ein modisches Accessoire :smile:.

  • Ich schaue sicherlich mal rein - die ersten Meilen werden wir nächstes Jahr ähnlich fahren, wenn wir unsere Tour um die großen Seen vorhaben


    Herzlich Willkommen :).


    Wie sieht eure Route denn aus? Ich werde die Gegend definitiv auch im Sommer/Herbst noch einmal besuchen und habe sogar schon eine Route in der Schublade, die Ohio, Pennsylvania, West Virginia und Missouri noch mit einschließt die quasi nur darauf wartet umgesetzt zu werden.

  • Ich bin dabei :wink1:

    Sieht ja irre aus


    Ich war auch so angetan, dass ich den Sommer ganz spontan gleich mal gegen den tiefsten Winter getauscht habe :smile:.


    Da ich 2017 eine 4-wöchige Winterreise (Jan/Feb) an den Great Lakes gemacht habe, schaue ich auch mal interessiert rein. Leider war 2017 ein relativ warmer Winter, so dass z.B. die Eishöhlen bei den Apostle Islands nicht zugänglich bzw. kaum vorhanden waren.


    Wow, vier Wochen ist ja natürlich ne tolle Reisedauer für einen Winter an den Great Lakes, die hätte ich auch gerne gehabt, da man bei sieben Tagen ja leider doch Abstriche machen muss. Über zu hohe Temperaturen musste ich mir ja zum Glück keine Gedanken machen, zwei Wochen bevor ich geflogen bin bescherte die Polar Vortex ja Temperaturen von -35 bis -40°C.


    Dass 2017 ein relativ warmer Winter war habe ich auch gehört, im anderen Forum gab es jemanden, der die vereisten Niagarafälle bereisen wollte und stattdessen bei 15°C in der Sonne Eis gegessen hat.

  • Oh, Pictured Rocks war ich auch schon mal, allerdings im November.. Bin gespannt, wie es da im Winter aussieht!


    Oh, im November könnte ich mir fast vorstellen, dass das Wetter schon in Richtung ungemütlich dreht. Aber Herzlich Willkommen!


    Hört sich sehr spannend an und die Ecke kenne ich noch überhaupt nicht. Bin sehr gerne dabei! :wink2:


    Ja, die Ecke wird ja meist allerhöchstens mal bei einer der seltenen "Great Lakes Touren" angerissen, aber mich hat das mittlerweile so angefixt, dass ich definitiv noch mal für länger wiederkommen möchte, vielleicht auch noch einmal im Winter.


    Schön, dass du dabei bist :)


    Reisebericht im Winter? Da bin ich immer dabei.

    Ich liebe Winterreisen und Schnee und kalt, von daher auf alle Faelle!!


    Ich bin eigentlich gar nicht so sehr im Team kalt, aber sobald da dann Schnee ins Spiel kommt finde ich es klasse. Hab ja auch noch ein paar Reisen auf dem Zettel die ich gerne im Winter machen würde. Manche - wie die Niagarafälle - eher kurz, doch auch längere durch den mittleren und Südwesten liegen da durchaus noch im Hinterkopf.


    Freut mich, dass du mitliest.


    Chicago, Frankenmuth, Mackinaw City, S.St. Marie, Wawa, Kakabeka Falls, Duluth, Marquette, Milwaukee, Chicago


    Allerdings im Sommer und es ist eine Wohnmobil Tour, unsere Letzte :)


    Davon kann ich zumindest ein paar der Städte hier präsentieren :smile:.


    Klingt nach einer tollen Tour, in der Gegend zwischen Duluth und Munising hab ich auch schon ganz viele Google Maps Sterne für den Herbst.


    Da lese ich gerne nochmal mit.
    Ich kenn es ja schon vom anderen Forum.

    Aber deine/eure Chigaco Reisebestandteile (auch aus den Reisen mit den Eltern) haben mich neugierig auf diese Ecke des Landes gemacht.


    Schön, dass du dabei bist :wink1:.


    Mir gefällt die Ecke auch immer besser, weshalb es mich dorthin auch immer wieder zurück zieht. Hätte es da 2015 nicht das günstige Flugschnäppchen gegeben dann wäre ich da vermutlich bis heute nicht hingekommen, also Danke an die Lufthansa :smile:.

  • 23.02.2019


    Nach nur sechseinhalb Stunden wache ich gegen 7:00 morgens erstaunlich munter auf. Zwar hat mein Kopf immer noch nicht so ganz realisiert, dass ich heute das erste Mal für länger als eine Woche allein in den Urlaub fahre, aber die Vorfreude, die hat sich heute dann doch schon breit gemacht. Das Frühstück besteht heute ausnahmsweise mal nicht aus den klassischen Resten „da der Kühlschrank leer werden muss“, nein, da das Leben hier im Haus ja die nächsten drei Wochen weitergeht komme ich in den Genuss eines fantastischen samstäglichen Frühstücks.

    Danach war es dann Zeit noch mein Handgepäck im Auto zu verstauen und dann konnte es auch schon losgehen, nicht ohne vorher noch ein Foto von mir und meinem dicken Reisebibelwälzer zu machen.


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    Draußen war zwar strahlend blauer Himmel und auch die Sonne schaute bereits heraus, doch die Temperaturanzeige im Auto meldete -5°C und somit schon einmal eine Einstimmung auf die erste Woche meines Urlaubs. Wir fahren zu Dritt zum Flughafen, nachdem ich festgestellt hatte was drei Wochen Parken am Airport aktuell kosteten und da Mama einen Firmenwagen zur Privatnutzung hat, hat sie sich netterweise bereiterklärt mich zu bringen und abzuholen. Die Fahrt zum Flughafen war schnell abgehandelt, außer uns waren nur wenige Autos auf der Straße unterwegs und so war es wenig verwunderlich, dass wir schon 10:00 auf dem Tegelzubringer waren. So früh bin ich es ja gar nicht gewohnt am Flughafen rumzuhängen, also geht es zum nächstgelegenen McCafe für ein letztes gemeinsames Essen für drei Wochen.

    Ich entscheide mich für einen Brownie und einen Latte Macchiato, letzteren aus weiser Voraussicht mal lieber in klein, man weiß ja nie wann die nächste Toilette in Sichtweite sein wird. Wir quatschen also noch ein wenig und fahren dann endgültig die letzten Kilometer zum Flughafen. Einen Parkplatz finden wir direkt vor dem Eingang und jetzt kommt der sich für mich am Komischsten anfühlende Teil. Nach der Verabschiedung, ja, ich sehe Mama an, dass sie am liebsten mit in den Flieger gestiegen wäre, gehe ich zum ersten Mal allein in Richtung eines Interkontinentalflugs, während das Tagesziel für Mama und Papa heute Potsdam heißt.


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    Als mein Blick auf der Suche nach BA983 über die Abflugtafel schweift realisiere ich dann zum ersten Mal, dass ich dieses Mal wirklich ganz ganz alleine unterwegs bin, da auch keiner meiner Freunde hier neben mir steht. Abgesehen davon, dass es mir aufgefallen ist, habe ich aber überhaupt keine Probleme damit, also nehme ich mal an, dass ich es auch die nächsten Wochen mit mir allein aushalte :smile:.


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    Vor der Gepäckaufgabe steht eine sehr sehr lange Schlange und nachdem ich gefühlt einmal bis Frankfurt an der Oder gelaufen bin stehe ich auch an deren Ende. Hier geht es wirklich nur sehr schleppend voran und so nutze ich die Zeit um die ganzen WhatsApp Chats, die mir eine gute Reise wünschen auch einmal zu beantworten.

    Als ich mein Gepäck auf die Waage stelle stehen dort 22,4kg Startgewicht. Autsch, das wird knapp auf dem Rückflug und vor Allem auf dem Inlandsflug. Ich erlege mir also striktes Shoppingverbot auf, zugegeben, dafür hab ich sowieso keine Zeit eingeplant und begebe mich zur Sicherheitskontrolle. Ich weiß nicht ob meine neue und vor dem Urlaub angeschaffte Fototasche einen seriöseren Eindruck macht als mein doch schon etwas „abgeranztes“ Vorgängermodell, aber bei dieser Kontrolle fallen alle meine „liebgewonnenen“ Traditionen dieses Mal aus. Kein Wischtest an Kamera und Objektiven, keine Fragen zur Milliamperestundenzahl der Powerbank, nix. Die Tasche kommt einfach wieder aus dem Schlund und ich stehe quasi im Flugzeug. Da Tegel ja noch aus einer Zeit vor Flughafensicherheitskontrollen stammt hat hier ja jedes Gate seine eigene Kontrolle.

    Auf meinem Ticket steht Boarding Group 4 und daher betrete ich als einer der Letzten das Flugzeug. Es gab auch noch Boarding Group 5, aber das ist dann wahrscheinlich der Gepäckraum :smile:.

    Ich sitze auf Platz 33F und damit am Fenster, allerdings war es das dann auch schon mit Annehmlichkeiten auf dem Flug. Die Ecoplätze der Eurotraveller sind für mich als durchschnittlichen Einmeterachzigmitteleuropäer einfach nur eins, eng, und mit recht großen Fototasche unkomfortabel.


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    Meinem Gefühl nach hatte ich auf meinen letzten Easyjetflügen mehr Sitzabstand. Dazu kommt noch, dass meine Nebensitzerin ihren ganzen Hausstand mitbringt, wodurch dann auch von links sämtliche Bewegungsfreiheit durch Kissen und Decken genommen wird.

    Während ich noch denke, dass es nach Heathrow ja nur ein kurzer Hüpfer ist und ich das schon irgendwie überlebe knackt es über mir in der Decke und man hört die Stimme des freundlichen Piloten. Der teilt mit, dass es aufgrund des typischen Londoner Wetters, sprich Morgennebel, mittlerweile einen Backlog von drei Stunden gäbe und sich unser Abflug daher um mindestens eine Dreiviertelstunde verzögert. Spätestens nach dieser Aussage tun mir meine leicht überlangen Beine leid, um meinen Flug muss ich mir keine Sorgen machen, der Schnäppchenflug hatte eh eine viel zu lange Umsteigezeit in der ich mich nur gelangweilt hätte.

    Die Zeit vertreibe ich mir damit mit ein paar Forianern zu chatten, um genau zu sein Sarah und Jules, und mich bei beiden ordentlich über den Sitzabstand bei British Airways auszukotzen. Ändert zwar nichts an der Situation, macht aber trotzdem Spaß.

    Nach einer Stunde geht es dann endlich los auf einen sehr ruhigen und, wenn man vom Platzangebot und der Tatsache, dass es aufpreisfrei nicht einmal den Hauch eines Getränks gibt mal absieht, angenehmen Flug. Bei bestem Wetter und immer noch strahlendblauem Himmel sind die Ausblicke aus dem Flugzeug fantastisch, ich hätte euch die auch schöner fotografisch festgehalten wenn das Fenster saubergewesen wäre, so müsst ihr aber mit dem Vorlieb nehmen was da ist.


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    Auf unserer Flugroute sieht man viel plattes und grünes Land, einige Autobahnkreuze, Holland, OffShore Windparks und typisch englisch hügelige Landschaft in der sich ein wenig Hochnebel verfangen hat, was auf Bildern sehr hübsch ist.


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    Kurz darauf dann Touchdown in Heathrow, soweit das Auge reicht ist hier nichts anderes als British Airways an die Außenseite der Maschinen gepinselt, ich habe Zeit das ausgiebig zu analysieren, schließlich war unsere Ankunft hier scheinbar völlig überraschend und daher war kein Equipment vorhanden das uns zum Gate fährt.


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    Ich muss jetzt eigentlich nur das Terminal wechseln, vorher kommt allerdings die bei US-Airlines typische Vorbefragung. Diese ist für mich als alleinreisenden 18-24 Jährigen heute besonders gründlich:

    Grund der Reise,

    Länge der Reise,

    Warum drei Wochen,

    Nein ernsthaft: Warum gerade drei Wochen,

    Wohin soll es denn gehen,

    Warum gerade dorthin,

    Was ich beruflich mache,

    Was ich studiere,

    Wo ich studiere,

    Wie die Uni heißt, etc.

    Kurz bevor wir bei der Frage nach der Konsistenz meines letzten Stuhlganges sind, ist das Gespräch dann aber doch vorbei und ich kann in den Bus Richtung Terminal 3 steigen. Dieser fährt an einer Reihe geparkter A380 vorbei, die sind zwar bei weitem nicht so elegant wie die gute alte 747, aber dennoch ein wahnsinnig imposanter Anblick.

    Am Terminal 3 angekommen heißt es dann erst einmal warten auf die Bekanntgabe des Gates, zwischen 15:00 und 15:45 vertrieb ich mir die Zeit einfach nur mit Handyladen und Däumchendrehen, schickte meine endgültige Reiseroute noch an meine Eltern und haderte mit mir ob es sich denn jetzt noch lohnt ein überteuertes Flughafenessen zu mir zu nehmen.

    Als das Gate dann bekannt gegeben wurde entschied ich mich gegen das Essen und für den Besuch der sehr sauberen Toiletten hier. Die Kabine hier ist zum Glück sehr geräumig und daher groß genug für mich, meine beiden nicht gerade kleinen Handgepäckstücke und eine sanitäre Einrichtung.

    Am Gate A13 angekommen, lustigerweise bin ich schon in Berlin ab A13 geflogen herrscht Arbeitsteilung. Die erste Dame malt einen Haken auf mein Flugticket, der zweite Herr im Anzug schaut sich diesen Haken exakt 2,37m entfernt noch einmal genau an und wünscht mir einen guten Flug. Hier bei American Airlines gibt es quasi unendlich viele Boarding Groups. Ich bin in Group 7 und einer der ersten im Flugzeug.

    Auf diesen Flug habe ich mich bereits seit der Buchung gefreut, der Flug nach Chicago wird nämlich mit einer Boeing 787 durchgeführt, besser bekannt unter ihrem Namen „Dreamliner“. Neben seinen handfesten Vorteilen für die Airlines - unter anderem wird durch Leichtbau und dadurch geringeres Gewicht in Verbindung mit besserer Aerodynamik und modernen Triebwerken eine höhere Reichweite bei signifikant niedrigeren Spritkosten erreicht – soll dieses Flugzeug auch das Reisen als Gast auf ein neues Level bringen.

    Die bekannteste Neuerung sind hierbei die Fenster. Diese werden nicht mehr durch eine auf- und abschiebbare Blende verdunkelt, sondern die Scheibe selbst verdunkelt sich mittels Elektrochromie. Das funktioniert nach demselben Prinzip wie automatisch abblendende Spiegel, die ihr eventuell im Auto habt. Da man sich dadurch nun den Platz für die Verblendung spart sind die Fenster riesig. Außerdem soll durch leisere Triebwerke der Komfort gesteigert werden und ein System steuert automatisch gegen eventuell auftretende Turbulenzen gegen um Reisekrankheit zu verhindern. In der Kabine wurde zudem die gesamte Beleuchtung auf verschiedenfarbige und dimmbare LED umgestellt um eine Wohlfühlatmosphäre schaffen zu können und dank niedrigerem Kabinendruck und einer Luftfeuchte von 15% (10% mehr als in regulären Flugzeugen) soll man einfach entspannter ankommen.

    Und jetzt schauen wir mal ob der Vogel auch hält was er verspricht :smile:.

  • Um es kurz zu machen: Ich bin schon etwas verzückt als ich die Fenstergröße von Platz 22A sehe. Im Regelfall ist das Fenster am eigenen Platz meistens ein zerkraztes und kreditkartengroßes Stück Plexiglas mit einer halb heruntergelassenen Verblendung davor. Hier ist das Fenster größer als mein Kopf und da die Dreamliner alle noch recht neu sind, kann man hier auch noch prima herausschauen. Da ich der Erste in meiner Reihe bin mache ich erst einmal Fotos von Allem was mir vor die Linse kommt und filme den tollen Verdunklungsmechanismus, den will ich euch natürlich nicht vorenthalten.


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    Um 17:45 meldet die Chefstewardess, dass der Flug heute nur zu einem Drittel ausgelastet ist. Ich freue mich diebisch über meine leere Dreierreihe.

    Um 17:46 nimmt ein amerikanisches Pärchen die Plätze neben mir ein…

    Das Platzangebot ist dennoch ausreichend für mich und meine Fototasche, die beiden sind ungefähr mein Alter und auch ungefähr von meiner Statur. Der Start verzögert sich durch den vielen Verkehr auf dem Rollfeld etwas, also mache ich ausgiebigen Gebrauch von meinem Fensterplatz und fotografiere ein wenig vor mich hin bis die Maschine uns in den Sitz drückt und abhebt.


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    Spätestens jetzt kann ich sagen: Ja, der Dreamliner ist wirklich leiser als andere Maschinen.

    Kurz nach dem Start präsentierte sich dann den Linkssitzenden ein gigantischer Sonnenuntergang und auch ich war einer der Glücklichen, die ihn zu sehen bekamen.

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    Noch glücklicher wurde ich nur Minuten später, als mich ein Steward fragt ob ich zu meinen Nebensitzern gehöre und mir nach meiner Verneinung meine eigene Zweierreihe ein paar Reihen weiter vorn beschafft. Guter Mann!


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    Hier vorne reist es sich noch besser als in der vollen Premium Eco, ich kann mich über mehrere Sitze voll ausstrecken und habe einen eigenen Sitzplatz für Rucksack und Fototasche. Da meine Reihe auch direkt vor der Wand ist kann ich beide Sitzlehnen auch zurückfahren ohne dass es jemanden stört und hier bei American haben auch die Sitze vor der Wand die volle Bewegungsfreiheit. Das kenne ich von einem Airberlinrückflug von den Kanaren ganz anders…

    Dass der Platz so nah an den Toiletten ist stört mich null, einerseits werde ich im Verlauf des Fluges auch das ein oder andere Mal dort zugegen sein, andererseits darf man sich bei amerikanischen Airlines ja eh nicht vor der Klotür versammeln.

    Doch nicht nur der Platz lässt keine Wünsche übrig, auch der Service ist einfach unglaublich. Neben den nettesten Flugbegleitern die ich je hatte wird man von diesen auch versorgt wie ein König. Die Crew war stets hinterher die Überzahl an Getränken an die mitfliegenden Passagiere zu verteilen. Der Getränkewagen kam innerhalb von 30 Minuten während des Essens drei Mal vorbei. Ich, der beim Essen eine ganze Oase austrinken kann, war natürlich im siebten Himmel.


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    Das Essen an sich war im Gegensatz zum Mittagessen bei United auch wahnsinnig lecker. Ich hatte Meatballs mit Reis und Bohnen und war hochzufrieden mit. Würde ich durchaus auch auf dem Boden essen, aber vielleicht bin ich da auch einfach nicht anspruchsvoll.

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    Den Rest des Fluges verbrachte ich hauptsächlich mit Dösen und Schlafen, schließlich muss ich nach der Landung ja noch ein Stückchen Autofahren. Auf diesem Flug verliebte ich mich dann auch endgültig in meine Bose QC25, ich hatte mir die in einem Sale mal zu Weihnachten gekauft und möchte jetzt keinen Flug mehr ohne machen. Schon auf innereuropäischen Flügen habe ich sie lieben gelernt, aber auf achtstündigen Flügen einfach mal alles um einen herum abzuschalten ist ein Luxus auf den ich nicht mehr verzichten möchte. Schon im reinen Cancellingmodus hörte man nur noch ein Säuseln von den Triebwerken. Ich habe mir dann zum Schlafen Easy Listening druntergelegt und man hörte wirklich nur leise Musik und sonst nichts. Genial!

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    Daher kann ich auch wirklich nichts zum Rest des Fluges sagen, außer dass es nach dem Hauptgericht noch ein wahnsinnig leckeres Eis und kurz vor der Landung eine echt leckere Pizzatasche gab und ich am Ende auf diesem Flug ein Wasser, drei Cola und ein mexikanisches IPA als Schlummertrunk bekommen habe. Dabei hab ich mindestens zwei Getränkerunden ausgelassen, zumindest kam der Getränkewagen zwei Mal als ich wach war. Wer es drauf anlegt konnte hier sicher alle 30 Minuten ein neues Getränk bekommen.

    Die Landung war dann etwas turbulent aber im Rahmen der Möglichkeiten sehr angenehm, fast genauso angenehm wie die Stimme des Piloten. Ich weiß nicht ob das Einstellungskriterium ist, aber mit dieser sonor-brummenden Stimme könnte man mir alles erzählen und ich würde ruhig bleiben, naja gut, bei einem Triebwerksbrand oder Ähnlichem vielleicht nicht :smile:.

    Anyway, als wir auf dem Boden aufsetzen sehe ich dann auch warum die Landung so ruppig war. Heftige Winde, peitschender Regen und ein ausgewachsenes Gewitter ziehen über den Airport. Das ist NICHT wie ich es mir vorgestellt habe, ich habe doch Winter Wonderland bestellt! So ungemütlich wie es ist habe ich auch aktuell gar kein Problem damit, dass wir noch gefühlt 30km über den Airport rollen bis wir ein Gate finden. Haben Flugzeuge neben dem Flugstundenzähler eigentlich auch einen Kilometerzähler?

    Ja, solche Fragen konnte ich mir stellen, schließlich dürfen wir eh noch nicht raus. Fluggastbrücken dürfen erst betreten werden wenn innerhalb von 30 Minuten in einem definierten Radius um den Flughafen kein Blitz mehr einschlägt. Da es gerade noch geblitzt hat mache ich mir so schnell keine Hoffnungen und wechsele schon einmal meine SIM-Karte auf die H20-SIM die ich mir vor dem Urlaub besorgt habe. Nachdem ich eine Weile mit dem Handy rumgespielt habe dürfen wir nach 45 Minuten dann das Flugzeug verlassen. Wie in den USA üblich läuft das sehr gesittet und ohne Drängeln ab.


    Ich überhole auf dem Weg zu den Customs noch ein paar Leute, das wäre aber nicht nötig gewesen, die Meisten hier im Flugzeug waren eh Amerikaner und hatten ihre eigene Schlange. Für mich standen auch schon eine Menge APC-Automaten bereit und erleichtert hier nicht warten zu müssen steckte ich meinen Pass in den Scanner.

    DOKUMENT KONNTE NICHT GELESEN WERDEN, OFFICER AUFSUCHEN

    Zack, Puls auf 180 und mit einem Mal wie ausgeschlafen.

    Ich probierte das noch ein weiteres Mal und wieder kam der Lesefehler.

    Langsam wurde ich ein klein bisschen panisch und fragte eine nahestehende Beamtin, die mich dann doch etwas beruhigte indem sie mir sagte, dass man dabei nur den früher üblichen Custom Form Wisch ausfüllen und damit zum Officer muss.

    Gesagt getan und schon stand ich vor Selbigem. Hier war alles kein Problem, er erklärte mir sogar, dass das passiert sei, da mein Pass vor den maximal möglichen 90 Aufenthaltstagen abläuft, nämlich in genau 87 Tagen. Nachdem ich meine Patschehändchen auf den Scanner gelegt hatte bekam ich ebenjene 87 Tage auch in meinen Pass gestempelt und konnte weiter zum Kofferband. Das ging auch ohne APC angenehm schnell und wenn es läuft dann läufts, auch mein Koffer kam bereits kurz darauf aus dem Schlund.

    Jetzt fehlte für das ultimative Glück nur noch ein passender fahrbarer Untersatz, doch weil ich in ORD zwar schon oft gelandet bin, hier jedoch noch nie einen Wagen gemietet habe warte ich natürlich erst einmal an der falschen Stelle auf den Bus zum Rental Car Center der dann auch prompt ein paar Meter weiter vor meiner Nase abfährt. Nach Murphys Law warte ich natürlich ewig auf den Nächsten. An sich ist das kein Problem, schließlich ist der Wartebereich überdacht, aber ich habe Hunger, Panda Express schließt um 22:00 und wir haben mittlerweile weit nach neun.

    Auch die Fahrt zum Rental Car Center zieht sich eine ganze Weile, dafür bin ich in dem nagelneuen Gebäude so ziemlich der einzige Kunde und bin daher sofort dran. Allerdings kann ich hier nur mein Small-Talk-Level voll aufladen, denn trotz erstmaliger Reservierung bei Hertz stehe mein Name am Gold Board, meinte die nette Hertz-Agentin.

    Was für ein Auto es wird konnte sie mir nicht sagen, also ziehe ich mit meinem Koffer los und finde meinen Namen tatsächlich auf der Liste. Wie cool ist das denn?


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    Auf 1187 soll mein Schmuckstück für die nächste Woche also stehen. So richtige Ansprüche an das Auto habe ich nicht wirklich, eigentlich sind meine einzigen Kriterien gute Reifen, 4WD und eine Sitzheizung. Einen Favoriten habe ich natürlich trotzdem und pokere daher auf einen Jeep Cherokee Limited 4x4, da der nicht nur eine überkomplette Ausstattung, sondern auch einen V6 mit sich bringt und dadurch knapp 100PS mehr als der durchschnittliche Midsize SUV hat.

    Nach kurzer Sucherei entdecke ich auf meinem Stellplatz dann *trommelwirbel*


    :drum2:



    Einen leicht abgeschrabbelten silbernen Nissan Rogue aus New Jersey mit verbogenem Kennzeichen.

    Ich habe eigentlich nichts gegen den Rogue und finde ihn für eine Midsize SUV Buchung sogar eine gute Wahl. Das mir zugewiesene Exemplar hat außerdem Allradantrieb und auch Sitzheizung, allerdings sind die Reifen nach 30.000 Mietwagenmeilen schon ordentlich runter und gerade die sind mir hier auf meiner Tour sehr wichtig, schließlich gibt es Tage an denen ich wahrscheinlich nur auf Schnee unterwegs sein werde. Außerdem riecht es im Innenraum penetrant nach Zitrone, das soll wahrscheinlich entweder Rauch oder Kotze überdecken.

    In der Not würde ich den natürlich auch nehmen, aber ich wäre ja nicht Tobi wenn ich nicht versuchen würde aus meiner Buchung das Bestmögliche herauszuholen und stiefele daher zielstrebig auf die Gold Booth zu. Vor mir ist hier nur ein Mann der sich am Ende doch noch mit dem ihm zugewiesenen Auto zufriedengibt und daher gerade im Begriff ist zu gehen.

  • Ich klage dem Mitarbeiter also mein „Leid“, dass ich nach Northern Michigan fahre und dort alles kalt und verschneit ist, mir daher Allrad lieb wäre und gute Reifen das A und O sind. Nach einiger Zeit habe ich ihn so weit, dass er in seinem Computer nach Autos mit Allrad sucht, mir aber auch noch mal wiederholt, dass der Rogue auf meinem Platz auch Allrad hat. Nach einiger Zeit erklärt er sich aber doch bereit sich mit mir ein paar Autos anzusehen. Im Angebot hat er einen Toyota Highlander mit sieben Sitzen der für mich alleine nicht nur einfach oversized ist, sondern bei näherer Betrachtung auch gar keinen Allradantrieb hat und einen GMC Terrain, will beide aber partout nur gegen Gebühr herausgeben. Gut, beide Autos parken auch unter einem riesigen Schild mit der Aufschrift „Premium Upgrades“, aber ich war mir vor diesem Urlaub auch sicher, dass der Terrain nur ein Midsize SUV ist. Es stellt sich heraus, dass der faktisch wirklich bei den Standard SUV eingruppiert ist, aber ganz ehrlich, viel größer als der Rogue ist der auch nicht.

    Ich signalisiere also Verhandlungsbereitschaft und wir gehen zurück in sein Büro. Den Koffer deponiere ich als Reservierung schon mal im Kofferraum, ein Handtuch für den Fahrersitz hatte ich leider nicht dabei :smile:.



    Wir halten ein wenig Small Talk und als er sieht, dass ich aus Deutschland komme erzählt er, dass sein Sohn am Freitag nach Düsseldorf fliegt. „Zum Karneval?“ frage ich. „Nein, er ist 16 und macht ein „Assessment Center“ für den Jugendkader der Fortuna“. Ich erzähle ihm ein wenig von „meinen“ Fortunafans Jules und Basti und mache mich schon auf eine Upsellverhandlung gefasst als er mir plötzlich einen ausgedruckten Vertrag in die Hand gibt und meint, dass er mir den Terrain aufpreisfrei mitgibt und nicht nur das, der Mietpreis ist auch 12$ geringer als auf meiner Reservierung.

    Ich strahle jetzt wie ein Honigkuchenpferd und bedanke mich tausend Mal bei ihm. Nett fragen hilft eben doch immer!

    Mein Auto ist nun also dieser 2019 GMC Terrain SLT AWD in demselben hübschen weinroten Lack der mir schon bei unserem Yukon so gefallen hat. Das Auto wirkt innen und außen wie frisch aus dem Werk gerollt und in der Tat stehen auf dem Tacho nur 4021 Meilen. Nicht nur das, auch finden sich ein Eiskratzer und ein Handfeger im Kofferraum, hätte ich meinen also zu Hause lassen und das Gewicht sparen können.


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    Beim Blick auf das Kennzeichen schießt mir auch gleich ein Name durch den Kopf und ich taufe den Wagen auf „Marshall“, die How I Met Your Mother Fans unter euch wissen warum :smile:.


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    Ich starte den Motor und fahre in Richtung Ausfahrt. Hier stehen noch ein paar Autos vor mir uns so kann ich mir hier noch schnell Sitz, Lenkrad und Spiegel einstellen, das Handy ans Auto anschließen und Google Maps starten und stelle außerdem fest, dass ich nicht nur ein Upgrade unterm Hintern habe, sondern dieses auch noch mit kostenfreiem Satellitenradio daherkommt.


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    Danach hieß es noch einmal schnell Kreditkarte und Führerschein vorzeigen und schon war ich unterwegs und lasst mich eins sagen, es war verdammt ungewohnt in einem amerikanischen Mietwagen auf einem amerikanischen Highway so ganz allein im Auto zu sitzen. Außerdem hatte sich alles so lange gezogen, dass jetzt nicht nur der Panda Express, sondern auch der Target für den Ersteinkauf vor meiner geplanten Ankunft schließen und so muss ich das alles auf den nächsten Tag verschieben.

    Auf dem Highway ist das Wetter nicht besser als am Flughafen.


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    Fürchterlich starker Regen, sodass man kaum die Markierungen auf der Straße sieht, unter einer Brücke herrschte kurzzeitig sogar Aquaplaning, und noch dazu ist es auch um kurz vor elf noch so voll auf der Straße, dass immer wieder dichter Stop and Go Verkehr herrscht. Dabei lerne ich auch mal wieder, dass die Spiegel vom Terrain zwar schön aussehen, aber von der funktionsweise schön scheiße sind und der Fahrerspiegel mal wieder vergrößert als wäre es ein Teleskop. Dazu gibt es weder irgendeine Form von asphärischem „Spotter Mirror“ oder gar ein Totwinkelwarnsystem sondern ich habe die Wahl zwischen Schulterblick oder den Minivan neben mir von der Straße schieben, aber Hauptsache der Außenspiegel blendet selber ab.

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    Aber die Musik im Radio ist gut und daher ist auch meine Laune gut. Außerdem ist die Musik im Radio laut und daher ist meine Müdigkeit wie weggeblasen.

    Ab der Junction mit der Interstate 294 beschließt der Verkehr dann glücklicherweise sich woanders zu stauen und ich kann entspannt über leere Straßen gleiten.


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    Auch der Regen ist mittlerweile nur noch leichter Niesel, daher brauche ich genau die von Google berechnete Zeit und komme um fünf vor Mitternacht in meinem Hotel an.


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    Eingecheckt werde ich von Brian mit dem ich mich ganz nett unterhalte, allerdings bekomme ich auf meine Frage, ob es irgendwo hier im Ort noch was zu essen gibt nur ein ungläubiges „You’ve seen where you are when you left the Interstate?“ zurück. Okay, hier liegt der Hund begraben, daher gibt mir Brian noch ein wenig vom morgigen Frühstücksgebäck für die Mikrowelle mit aufs Zimmer.


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    Hier heißen meine letzten Amtshandlungen noch Sarah zum Geburtstag und Steffi zur Geburt ihrer Tochter gratulieren und dann gegen 0:30 mein Gourmetdinner, bestehend aus dem erwähnten Gebäck und Cornyriegeln zu mir zu nehmen. Anschließend sinke ich in das wahnsinnig bequeme Bett.


    Fahrdaten des Tages


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    Übernachtung des Tages


    Quality Inn Chesterton, Indiana - 48,63 USD inkl. tax


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    Duschbedienung des Tages


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    Schwierigkeitsgrad: 3/5


  • Hi Tobi, toller Einstieg in deine Reise, sehr cool und ausführlich geschrieben! :clap1::clap1:

    Mit dem Wagen hast Du echt Glück gehabt. Hier sieht man, was man mit Freundlichkeit und etwas Smalltalk erreichen kann.

    Freue mich schon auf die Fortsetzung. :daumen1:

  • Bin auch mit dabei. :clap1:

    Winter in Nordamerika kenne ich nur in Kanada (4x) und Amerika (1x) als wir zum Skilaufen dort waren. Eine Rundreise wäre wohl da nichts für uns.



    Kopfhörer: ich suche schon seit einiger Zeit einen Over-Ear (?) Kopfhörer für Flüge, der aber nicht so groß ist und gut ins Handgepäck passt.

    Dann sollte er auch noch Kabel haben, damit ich ihn im Flugzeug an die Buchsen für die dortigen Filme anschließen kann.

    Musik vom Handy würde ja wohl über Bluetooth laufen (?).


    Und wenn ich mir dann die Angebote anschaue, werde ich erschlagen und schließe gleich wieder die Seiten.

  • Hi Tobi, toller Einstieg in deine Reise, sehr cool und ausführlich geschrieben! :clap1::clap1:

    Mit dem Wagen hast Du echt Glück gehabt. Hier sieht man, was man mit Freundlichkeit und etwas Smalltalk erreichen kann.

    Freue mich schon auf die Fortsetzung. :daumen1:


    Vielen Dank :smile2:.


    Ich bin sowieso immer der Meinung, dass man mit Freundlichkeit wesentlich besser etwas erreichen kann, so habe ich bisher schon drei Autos gegen bessere austauschen können und auch im Hotel wirkt etwas Smalltalk oft Wunder was Upgrades angeht.



    Meine sind Bose Quiet Comfort 25 Over Ear Kopfhörer, die ich mittlerweile auf vielen Flügen schätzen gelernt habe. Geliefert werden sie in einem passgenauen Hartschalenetui fürs Handgepäck dem auch ein Adapter für die Flugzeugbuchsen beiliegt. Sowohl die Verbindung mit dem Handy als auch mit dem Flugzeug läuft über Klinkenkonnektor, ich glaube aber der Nachfolger QC35 konnte dann auch schon Bluetooth.


    Was ich bei meinen aber insbesondere Schätze ist dass sie mit einer normalen AAA-Batterie betrieben werden können, da spart man sich das Aufladen und kann in der Tasche immer eine schnell zu wechselnde Ersatzbatterie mitführen.


    :lach3:


    Deine Reiseberichte sind genau so toll und lesenswert wie die von Deiner Freundin - supi! :clap1:


    Das freut mich doch immer zu hören :smile:. Vielen lieben Dank und toll, dass es gefällt!

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