Zimbabwe September 2018 – Häufiger Herzklopfen als gewünscht

  • Ursprünglich sah unsere Planung für den September 2018 Sambia als Reiseziel vor. Da uns die Flugpreise nach Kasane (zum Zeitpunkt unserer Flugbuchung) und die Mehrkosten für die Einwegmiete zu hoch waren, überlegten wir, von Johannesburg über Botswana nach Sambia (und zurück) zu reisen. Obwohl wir knapp 3,5 Wochen zur Verfügung hatten, sahen wir schweren Herzens ein, dass dies (zu) viel Fahrerei bedeuten würde. Daher entschieden wir uns, Zimbabwe zu bereisen, wo wir 2016 (Hwange NP; Matobo NP und Great Zimbabwe) schon mal "reingeschnuppert" haben.


    Nachdem wir 2016 schon liebend gern mit einem Bushcamper (die Bequemlichkeit, man wird ja schließlich älter:P ) unterwegs gewesen wären, aber "nur noch" einen Hilux mit Dachzelt bekommen haben, hatten wir bereits im Oktober 2017 bei Bushlore einen Toyota Hilux Bushcamper gebucht.


    Wir haben keine Übernachtung / Campsite vorgebucht, was im Nachhinein gut war. Aber natürlich hatten wir eine Routenplanung (grob gesehen eine Runde entgegen dem Uhrzeigersinn unter Auslassung der Eastern Highlands):


    1 ÜN auf dem Weg zum Gonarezhou NP in SA – je nachdem, wie weit wir kommen würden

    5 ÜN Gonarezhou NP

    1 ÜN Lake Mutirikwi/ Great Zimbabwe

    1 ÜN Chinhoyi Caves

    3 ÜN Mana Pools

    1-2 ÜN Kariba, je nachdem, wie es uns gefällt

    Eventuell 1 ÜN zwischen Kariba und Binga

    1 ÜN Binga

    1 ÜN Nähe Hwange NP

    3 ÜN Hwange NP

    1ÜN zwischen Bulawayo und Beitbridge

    2 ÜN in SA

    so blieben noch ein oder zwei Tage als Puffer.


    Wer trotz der schwierigen aktuellen Lage in Zimbabwe Lust hat, uns zu begleiten, ist herzlich eingeladen. :wink2:

  • Komme natürlich mit!:thumbup:

    Gruss
    nirschi :camp:


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    I have a dream








  • Na, dann kann es ja losgehen :)


    06.09. / 07.09.2018 Flug nach JNB

    Nachmittags geht es mit dem Taxi zum Flughafen. Alles ganz entspannt, denken wir, bis ich kurz vor dem Boarding noch mal das Neueste im Internet checke und einen großen Schreck bekomme, als ich lese, dass in Zimbabwe ein Dieselengpass besteht. =O Sofort beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen. Was wird aus unserer geplanten Route?

    Auf dem Flug nach London überlegen wir, wie wir mit dem Dieselengpass umgehen. Vom Gonarezhou NP kommen wir ohne Nachzutanken auf jeden Fall wieder zurück nach Südafrika. Ich denke auch schon über eine Alternativroute durch Botswana zum Hwange NP nach. Mana Pools müssten wir dann streichen. Zum Glück ist nichts vorgebucht. Wir beschließen, uns nicht verrückt zu machen und uns vor Ort anzuschauen, wie es mit der Dieselversorgung aussieht.


    Als wir auf den Flug nach Johannesburg warten, fährt mir erneut ein großer Schreck durch die Glieder: ich möchte mit dem Handy noch mal checken, ob sich noch irgendwelche Neuigkeiten ergeben haben, und mein Handy zeigt an, dass der PIN falsch ist. Vielleicht vertippt, denke ich und gebe ihn ein zweites Mal ein, aber er ist immer noch falsch. Mein Herz pocht und die Hände zittern:huch1:. Nach der dritten falschen Eingabe wäre das Handy gesperrt und der Superpin zum Entsperren liegt natürlich sicher verwahrt zu Hause. Mir wird heiß und kalt, bis mir einfällt, dass ich nicht den PIN zum Entsperren der SIM-Karte sondern den PIN für die Bildschirmsperre eingeben muss, denn ich hatte das Handy während des Fluges nicht ausgeschaltet sondern im Flugmodus:pat:. Puh, bin ich erleichtert, als ich mein Handy wieder benutzen kann. Wenn ich daran denke, dass wir bis vor wenigen Jahren nie unser Handy in Urlaub genommen haben …

    Auf dem Flug nach JNB sitzt neben uns eine Frau aus Südafrika, mit der ich mich sehr gut unterhalte. Die Bordverpflegung ist das übliche, und nach dem Essen können wir beide einigermaßen schlafen.


    Wir landen pünktlich in Johannesburg, die Zollkontrolle und Einreise verläuft reibungslos, unser Gepäck können wir nach kurzer Wartezeit vom Band nehmen.

    Wir müssen uns etwas umsehen, bis wir den Fahrer von Bushlore entdecken. Wir bitten ihn, uns noch etwas Zeit zu geben, um Airtime und Databundles aufladen zu lassen sowie um Geld abzuheben, die er uns auch gewährt.

    Ungefähr eine halbe Stunde benötigen wir bis zur Niederlassung von Bushlore.

    Unser Hilux Bushcamper ist ein halbes Jahr alt und hat 20.780 km auf dem Tacho.



    Wir lassen uns in Ruhe alles zeigen und erklären. Wir erkundigen uns, aber hier ist nichts von einem Diesel-Engpass in Zimbabwe bekannt. Aber das muss ja nichts bedeuten.

    Gegen 11:30 h verlassen wir Bushlore. Es kommt ein heftiger Schauer herunter, den wir abwarten, bevor ich in einem nahe gelegenen Spar die ersten notwendigen Einkäufe (etwas Verpflegung und Getränke) tätige.

    In Polokwane machen wir in der Mall of the north unseren Großeinkauf. Leider ist es schon fast dunkel, als wir die Mall kurz vor sechs verlassen.

    Wir hatten uns das etwas außerhalb von Polokwane liegende Boma in the Bush zum Campen herausgesucht. Wir werden jedoch nervös und unsicher, da es inzwischen stockdunkel ist und wir gefühlt schon weit außerhalb Polokwane sind, aber immer noch kein Hinweisschild für Boma in the Bush zu sehen ist. Auch auf unser Navi ist kein Verlass.

    Wir entscheiden, umzudrehen und in Polokwane nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Kurz darauf sehe ich am Straßenrand ein Schild „Thatch Palace“. Erleichtert checken wir dort ein, das Zimmer für 250 Rand - zum Glück kann die Dame an der Rezeption keine Gedanken lesen, ich hätte in dieser Situation vermutlich auch das Vierfache ohne mit der Wimper zu zucken gezahlt. Das Zimmer ist sauber, es gibt sogar einen Wasserkocher und einen Kühlschrank im Zimmer. Christian vermutet im Nachhinein, dass es mitunter auch als Stundenhotel genutzt wird, da im Nachtisch Kondome liegen.

    Wir genießen die Dusche und liegen bald danach ko im Bett. Es regnet sehr heftig und gewittert immer wieder. Letztendlich eine glückliche Fügung, dass wir so spät dran waren und eine feste Unterkunft genommen haben.

    Tageskilometer: ca. 350

    ÜN: Thatch Palace

  • Das erste Herzklopfen bei der Anreise ist vorüber, von jetzt an könnt ihr es etwas gelassener angehen.


    Nun hoffe ich bloss noch dass der Regen aufhört und ihr eine tolle Reise habt.


    Ernst

  • Das erste Herzklopfen bei der Anreise ist vorüber, von jetzt an könnt ihr es etwas gelassener angehen.

    Das wäre schön gewesen.

    Ihr seid echte Abenteurer!

    Na, da gibt's andere, die wirkliche Abenteurer sind :smile2:

    Bin dabei

    Freut mich.


    08.09. Polokwane - Zimbabwe

    Wir werden zeitig wach und sind somit bereits gegen 6:40 h Richtung Norden unterwegs. In Louis Trichardt kaufen wir noch ein paar Sachen ein, heben Geld ab und tanken. Wie ich schon vermutet habe, waren nicht beide Tanks voll, denn es gehen fast 110 l rein.X( Mit einem Kaffee von KFC geht es weiter nach Musina.

    Ich stelle fest, dass ich zwar WhatsApp versenden, aber nicht telefonieren kann. Daher suchen wir in Musima einen Vodacom-Laden auf. Ein dortiger Angestellter tippt eine Weile lang am Handy rum, dann klappt es. Da wir bisher keine Holzkohle bekommen haben, müssen wir auch hier noch mal eine Mall aufsuchen.

    Ich war schon im Vorfeld etwas nervös, denn für die Formalitäten auf der Zimbabwe- Seite haben wir uns zwar um die kostenlose cross border assistance bemüht, aber für die Formalitäten auf der südafrikanischen Seite sind wir auf uns allein gestellt. Was uns erwartet, übertrifft jedoch unsere schlimmsten Visionen.

    Da ich es sehr ausführlich geschrieben habe, poste ich es in einem Extra-Thread, damit diejenigen, die es nicht interessiert, diesen Teil überspringen können.

  • Grenze

    Es beginnt harmlos, wir gehen in das erste Gebäude und fragen eine Frau am Schalter, wo wir den Gatepass erhalten. Ich weiß nicht mehr, was sie genau erwidert, aber sie macht uns deutlich, dass wir bei ihr falsch sind. Außerhalb des Gebäudes spricht uns ein Weißer an und teilt uns mit, dass wir hinter ein anderes Gebäude müssen, dass etwas weiter vorn (Richtung Brücke) liegt. Da wir unsicher sind, weil wir es mehr oder weniger für einen Lkw-Parkplatz halten, stoppen wir bei SAPS - hier zeigen wir die Autopapiere vor und der gut gelaunte Angestellte prüft, ob die Zahlen auf dem Motor und dem Chassis tatsächlich mit den Papieren übereinstimmen. Der Mitarbeiter weist uns auch noch einmal den Weg – wir müssen tatsächlich hinter den vermeintlichen Lkw-Parkplatz. Dort steigen wir aus dem Fahrzeug aus und werden sofort von einem Schlepper angesprochen, dessen Hilfe wir zunächst ablehnen. Wir schauen um das Gebäude herum und sehen den Weißen mit seiner Frau und Tochter relativ weit vorne in einer langen Schlange, die sich über große Teile des Platzes zieht. Wir sprechen ihn wegen des Ablaufes an. Auf einmal ist er recht zurückhaltend, teilt uns jedoch mit, dass er 500 Rand an den Schlepper gezahlt hat. Da die Menschen (außer uns sowie zwei Frauen vor der Familie aus Zimbabwe sind alle dunkler Hautfarbe) zum Teil zu dritt zu viert nebeneinander stehen und das Ende der Warteschlange nicht abzusehen ist, bleibt uns gefühlt keine Wahl, als einen Schleuser zu bezahlen, um heute noch nach Zimbabwe einzureisen. Da wir wissen, was die anderen gezahlt haben, so verweigern wir die „Wünsch-dir-was-Preise“ und machen deutlich, dass wir nicht mehr als 500 Rand zahlen. Der Schleuser will, dass ich ihm folge, Christian soll am Fahrzeug bleiben. Er „reiht“ mich in der Warteschlange hinter der Familie ein. Die Frauen dahinter sind empört, aber vielleicht steckt er ihnen etwas Geld zu, sie beruhigen sich erst mal wieder. Ich fühle mich unwohl, abgesehen davon müsste sich Christian auch in die Warteschlange einreihen, schließlich wird sein Pass nicht abgestempelt werden, ohne dass er vorstellig wird. Ich traue mich nicht, meinen Platz zu verlassen, netterweise winkt die Frau Christian zu uns, als sie zwischendurch mal zum Auto zurückgeht, um etwas zu holen. Wir stehen in der knallenden Sonne und Wasser haben wir natürlich nicht bei. Christian wagt es und holt aus dem Auto eine Wasserflasche. Ca. eine halbe Stunde geht es absolut nicht voran, dann wird die Tür zur Lagerhalle geöffnet und die nächsten, vielleicht 50 Wartenden, werden eingelassen. Wir stehen weiter in der prallen Sonne. Beim nächsten Schwung sind wir dran, die Lage ist kurz davor zu eskalieren, denn man muss zuerst eine schmale Betontreppe hoch, um zu einer Plattform zu gelangen, von der es in die Halle geht. Als die die Tür geöffnet wird, drängen die Leute von hinten. Das Mädchen der Familie wird an die Mauer vor der Treppe gedrückt, ihr Vater und Christian können sie etwas abschirmen. In der Halle kümmern sich zwei Angestellte um die Pässe. Wir bekommen mit, dass andere ihren Gatepass bereithalten und befürchten, dass wir nicht abgefertigt werden, da wir keinen haben. Zum Glück bekommen wir unseren Ausreisestempel.

    Für den Gatepass müssen wir doch noch einmal in das Gebäude, in dem wir ganz am Anfang unserer Odyssee waren. Inzwischen stehen auch hier die Menschen an, die Warteschlange reicht bis weit außerhalb des Gebäudes- ich habe allerdings den Eindruck, dass es nicht nur um den Gatepass geht. Irgendwie drängele ich mich durch und bekomme den benötigten Gatepass.

    Wir halten noch einmal bei SAPS, können jedoch ohne Stempel weiterfahren. Nach mehr als zwei Stunden haben wir die Formalitäten auf der südafrikanischen Seite erledigt und fahren über die Brücke nach Zimbabwe. Wir parken an der Seite und entdecken kurz darauf eine Mitarbeiterin des Zimbabwe Tourism Authority. Sie und ein Kollege, den sie scheinbar anlernt, kümmern sich von nun an um uns, sie füllen die Formulare aus und stellen sich an die entsprechenden Schalter an, wir brauchen nur zu zahlen. Nur zu einem Gebäude (Polizei?) müssen wir mitgehen. Dennoch dauert es noch einmal fast 1,5 h, bis auch hier die Grenzformalitäten erledigt sind.

  • 08.09. Polokwane - Zimbabwe II

    Nach ca. 3,75 h sind die Grenzformalitäten (und wir) erledigt. Wir sehen am Straßenrand Rinder, Esel, und Ziegen. Wir passieren zwei Polizeikontrollen, an einer wird nach den Fahrzeugpapieren gefragt, an der anderen werden wir – wie auch in den nächsten drei Wochen - durchgewinkt.

    Da wir es nicht mehr annähernd bis zum Gonarezhou NP schaffen werden, erkundigen wir uns im Lion & Elephant Motel nach den Preisen für ein Zimmer. Das Doppelzimmer kostet offiziell 69 $, wir einigen uns mit dem betagten Inhaber auf 50 $. Für Camping hätten wir pro Person 15 $ gezahlt.




    Das Zimmer ist sehr heruntergekommen, es hätte eine Generalrenovierung nötig. Trotz mehrerer Energiesparlampen ist die Beleuchtung im Zimmer schlecht. Im Bad (keine Dusche, nur eine Badewanne) ist sie jedoch sehr gut.

    Wir wollen uns in der Anlage umschauen, da fängt es an zu regnen, aber jedoch nur kurz. Die Anlage ist sehr grün mit vielen Blumen. Leider hört man die Straße sehr. Wir laufen am Bubi River entlang, anscheinend sind die dort gelegenen Unterkünfte etwas neueren Datums bzw. renoviert. Den Campingplatz sehen wir nicht.



    Wir treffen auf zwei Männer, von denen der jüngere Südafrikaner und der ältere ursprünglich aus Zimbabwe sind. Letzterer will in Harare nochmal seine Kindheitserinnerungen auffrischen. Wir unterhalten uns gut. Sie haben insgesamt drei Stunden für den Grenzübertritt gebraucht, also lag es nicht an unserer Unfähigkeit.:)

    Wir essen im Zimmer, und danach fordert der anstrengende Tag sein Tribut. Es grummelt und blitzt schon wieder, später gewittert es noch heftig. Eine gute Entscheidung, heute nicht zu campen.:daumen:

    Tageskilometer: 287

    ÜN: Lion & Elephant Motel


    Ab morgen gibt’s dann mehr Fotos und weniger Text.

  • Auf so etwas hätte ich im Urlaub ehrlich gesagt keine Lust. Das wäre absolut nicht unser Ding.


    Aber nun bin ich gespannt, wie es bei Euch weitergeht.

  • Der Grenzübertritt fällt wohl in die Kategorie „TIA“ this is Africa!


    Bin gespannt, wie es weiter geht.

  • Auweia, solche "Formalitäten" an der Grenze braucht man aber auch nicht

    Ich weiß nicht, ob ich mich da zurechtgefunden hätte ohne zu kollabieren :huch1:


    Jetzt bin ich aber gespannt, wie die Reise weitergeht :cap:

  • Den Grenzübertritt fanden wir auch schon mehr als "grenzwertig" <X hätten wir das vorher gewusst, wären wir über Botswana eingereist. Wir haben im Laufe der Reise zwei Männer getroffen, die einen Tag später, also am Sonntag für den Grenzübertritt in Beitbridge nur 1,5 h benötigt haben, da wenig los war. Auch von anderen haben wir gehört, dass es sonntags ruhiger ist. Vielleicht sollte man das Routing so legen, dass man sonntags die Grenze quert. Oder man ist über 60 Jahre alt, denn diejenigen werden bevorzugt behandelt und brauchen sich nicht anstellen. :)

    Wir hatten noch mehrmals auf der Reise unerwünschtes Herzklopfen, dass - im Gegensatz zum Grenzübertritt - im Nachhinein betrachtet halb so schlimm war bzw. gut ausgegangen ist oder einfach unter die Kategorie "wer eine Reise macht, kann was erzählen" fällt.

  • Sehr interessant die Beschreibung des etwas mühsamen Grenzübertritts. ich wäre wahrscheinlich ruhig geblieben, Helga ziemlich sicher weniger.


    Ernst