Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Unser Nordamerika - Das Forum für USA Kanada Nordamerika Fans. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

21

17.08.2017, 16:32

Tag
9:


Morgens schlendere ich durch
die Wiesen und Obstplantagen rund ums Haus. Heute früh sieht der Mt. Hood noch
eindrucksvoller und klarer aus. Von der Terrasse aus kann man gelbe Finken und
Kolibris beobachten. TD hat für uns sogar ein leckeres Frühstück zubereitet und
wir quatschen noch sehr nett miteinander. Ein Freund des Hauses empfieht uns
noch einen nahe gelegenen See als Fotooption.


Anschließend besichtigen wir
in Hood River das einzigartige Western Antique Aeroplane & Automobile
Museum (WAAAM). Was als kurze, nette Abwechslung gedacht war, entpuppt sich als
absolutes Juwel. Die wohlsortierte Ausstellung verteilt auf vier große Hangar
mit antiken Fluggeräten, seltenen Oldtimern, restaurierten Motorrädern und
liebevoll präsentierten Sammlerstücken ist überragend. Blitzblank poliert und
sogar fahrbereit präsentiert sich diese Sammlung von antiken Fahrzeugen. Engagierte
ältere Herren kurven mit Segway-Rollern hin und her und stehen für alle offenen
Fragen zur Verfügung. Ein Must see, wenn man in der Gegend des Columbia Rivers
unterwegs ist.


Einen weiteren
abwechslungsreichen Halt gibt es direkt am eindrucksvoll breiten Columbia River,
der die natürliche Grenze zwischen Oregon und Washington bildet. An der coolen Hood
River Event Side bläst ein kräftiger frischer Wind und es tummeln sich
zahlreiche Windsurfer und Kitesurfer auf dem welligen Wasser. Hier gibt es
gepflegte Wiesen zum Sonnenbaden und Aufbauen der Surfausrüstung. Eine lange
Sandbank dient perfekt als Startplatz ins Wasser. Man findet auch Surf Shops,
die Material verleihen und auch einige nette Strandbars.




Weiter fahren wir über die
Hood River Bridge und erreichen nach dem Zahlen einer kleinen Gebühr den Staat
Washington. Via Carson gelangen wir nach einer etwas längeren Strecke die
versteckten Panther Creek Falls. Die Falls sind breit gefächert und sehr hübsch
anzusehen; eine gute Entscheidung hier abseits der Massen nochmals die Natur zu
genießen.




Via Stevenson geht es dann bei
Cascade Locks wieder rüber nach Oregon auf den Historischen Columbia River
Highway. Hier reihen sich viele verschiedene schöne Wasserfälle entlang der
alten Straße. Doch leider ist heute Sonntag und von Anfang bis Ende herrscht
auf der Straße ein einziger Stau; an freie Parkplätze ist nicht zu denken. Ich
springe bei den Horsetail Falls nur kurz aus dem Auto und auch bei den
legendären Multnomah Falls gibt es nur einen schnellen Schnappschuss. Ich finde
die Falls vor lauter Menschen kaum und flüchte so schnell es geht. Am Vista
House und am Portland Womans Forum genießen wir dann aber noch einen tollen
Ausblick auf den Columbia River.

22

17.08.2017, 16:33

Ohne eine längere Wanderung in
der Columbia Gorge gemacht zu haben, starten wir am Nachmittag durch nach
Portland. Wir freuen uns schon auf unsere stylische airbnb Unterkunft nahe der
Alberta Street, einem künstlerischen Szeneviertel. Per Mail haben wir bereits alle
nötigen Infos und können selbständig einchecken. Das tolle Appartment ist genau
wie beschrieben und wir fühlen uns sofort richtig wohl. Nach dem Ausladen des
Gepäcks fahren wir schon weiter Richtung Downtown.




Wir überqueren den Willametta
River über die Burnside Brücke. Auf der anderen Uferseite thront schon das
Portland Schild mit dem bekannten Hirsch und dem Old Town Wasserturm. Wir
biegen ab zum Pioneer Courthouse Squere, der jedoch gerade vollständig
renoviert wird. Der Squere ist eine einzige Baustelle; sogar der
Regenschirmmann ist dick eingewickelt. Na toll! Nirgendwo sonst in einer Stadt habe
ich bislang so viele Obdachlose und vom Leben gezeichnete Menschen gesehen.
Besonders am Sonntag, an dem die Straßen ruhig sind, fallen die kaputten
Existenzen noch viel mehr auf. Ein extrem trauriger Anblick!


Wir suchen an der Schnitzer
Conzert Hall das riesige Retro-Portland Schild, doch auch hier werden wir
enttäuscht: es wurde zu Restaurierungszwecken abgehängt. Um das Portland
Building kurven wir mehrfach auf der Suche nach der mächtigen Portlandia Statur,
doch erst als ein Segway Guide meinen Blick in die Höhe lenkt, entdecke ich sie
endlich weit oberhalb. Nun laufen wir noch zur Uferpromenade und knipsen die
Hawthorne Bridge eine historische Steel Bridge.


Da noch genügend Zeit bis zum
Sunset ist, versorgen wir uns an einem Food Truck in der Innenstadt mit einem leckeren
Döner. Danach stellen wir uns in die gar nicht so lange Warteschlange am kultigen
Voodoo Doghnut an. Alleine das Anstellen ist es schon wert; total lustig sich
mit den teilweise echt schrägen Leuten über die Auswahl der noch schrägeren
Donuts zu unterhalten. Eine der verrückten Donuts Kreationen zu probieren ist
in Portland eine „Must do“- Attraktion. Auch
das Ambiente im Laden ist witzig und kreativ. T. wählt einen Mango Doghnut und
ich entscheide mich natürlich für die Voodoo Doll, dieser Doghnut ist mit knallroter
Erdbeermarmelade gefüllt und in den Bauch wird seine halbe Salzstange gesteckt.
Das Ding hat total ekelig süß geschmeckt, aber den Spaß war es allemal wert!


An der Burnside Bridge warten
wir dann, bis es richtig dunkel wird und wir das Portland-Oregon Schild mit dem
Hirsch richtig bei Nacht fotografieren können. Nach einem erlebnisreichen Tag
fallen wir spät und müde ins Bett.

23

17.08.2017, 16:34

Tag
10:


Im Appartment kochen wir uns
unseren Kaffee heute morgen selbst und essen noch die restlichen Voodoo
Doghnuts. Ein etwas klebrig süßes Frühstück!


Anschließend schlendern wir
die Alberta Street, die Straße der Künstler, Galerien, netten Shops und
Szenekneipen, entlang auf der Suche nach kreativen Grafittis. Jeden letzten
Donnerstag im Monat gibt es hier sogar eine tolle Party auf der Straße. Dass
Portland als die „Fahrradmetropole“ gilt, bekommt man hier auch deutlich zu
sehen. Um viele bunte Fotos reicher, laden wir beim Appartment unsere Koffer noch
ein.


Um 10 Uhr stürmen wir das nahe
gelegene Nike Outlet und stürzen uns auf die günstigen Turnschuhe. Nach über
einer Stunde „Extremshopping“ ist der Kofferraum voller neuer Schuhe und wir
wissen gar nicht genau, wie wir die alle mit in den Koffer kriegen sollen….


Endlich geht die Reise weiter
und wir biegen bei Woodland in Richtung gut beschilderter Cedar Creek Grist
Mill ab. Die Covered Bridge mit danebenliegender Wassermühle ist etwas schwierig
abzulichten.


Anschließend machen wir uns
auf den Weg zum imposanten Mount St. Helens National Volcanic Monument. Schon
die lange Anfahrt ist beeindruckend und die Landschaft ist zunehmend vom
Vulkanausbruch von 1980 geprägt. Zielstrebig fahren wir die Westseite hoch und
stoppen erst kurz vorm Johnston Ridge Observatory für einen ersten Ausblick am
Loowit Viewpoint. Das Wetter könnte nicht besser sein; blauer Himmel und klare weite
Sicht bis zum Horizont. Erste Wildblumen dienen als bunte Farbtupfer vor dem teilweise
noch schneebedeckten Vulkankegel. Die Gewissheit vor einem aktiven Vulkan zu
stehen, eine kleine Rauchwolke schwebt gerade aus der abgerutschten Nordflanke
des Kraters, und das Ausmaß der damaligen Katastrophe, lässt einen schon ein
wenig erschauern und Erfurcht vor soviel Naturgewalt macht sich bei uns breit. Die
Verwüstung durch die Gerölllawinen und den pyroklastischen Strom sind vom
Viewpoint kilometerweit zu erkennen. Oben im Visitor Center schauen wir uns
dann den kurzen informativen Film über den Ausbruch des Mt St. Helen und dessen
verheerende Folgen an. Den Boundary Trail Richtung Spirit Lake nehmen wir nicht
mehr in Angriff.


Einen kurzen Spaziergang
machen wir noch am Coldwater Lake auf dem idyllischen „Birth of a Lake Trail“.
Ein wunderschön geschwungener Boardwalk ermöglicht tolle Fotooptionen am See und
einen letzten Blick auf den Vulkan.


Unsere letzte Etappe heute
führt uns nach East Ashford; dem Tor zum Mount Rainier. Wir checken in der tollen
Nisqually Lodge ein und nach etwas Körperpflege fahren wir schnell zum Abendessen
ins Wildberry Restaurant. Nach 20 Uhr bekommt man hier nichts mehr zu Essen. Es
gibt sehr gutes nepalesisches Essen und dazu ein Ambiente wie am Himalaya; es
flattern bunte tibetische Gebetsfahnen entlang der Terrasse. Mein Thaly Chicken
schmeckt lecker und die Bedienung ist authentisch und freundlich.



24

17.08.2017, 16:34

Tag
11:


Vorgewarnt durch die
Schneesituation am Crater Lake und im Lassen NP, werfe ich noch eine Blick auf
die nicht upgedatete Homepage des Mt. Rainier NP Service. Auch hier sind einige
Trails noch als gesperrt ausgewiesen und ich bin etwas verunsichert, ob wir
unsere geplante Wanderung überhaupt durchführen können. Kurz vor 7 Uhr gibt es
ein schnelles Frühstück, wir fahren zügig durch das Eingangstor, an allen
weiteren Haltepunkten vorbei und früh um 8 Uhr sind wir, wie empfohlen, schon
am noch leeren Parkplatz des Paradise Gebietes. Leider macht das Visitor Center
erst um 10 Uhr auf und ich bin wieder mal froh über die im Vorfeld bereits ausgedruckte
Wanderkarte.


Wir packen unseren Rucksack
mit ausreichend Getränken voll, cremen uns gut ein und sprühen uns kräftig mit
Mückenspray ein. Da liegt er vor uns der mächtige Mt Rainier und übt bei
strahlendem Sonnenschein eine wahnsinnige Anziehungskraft auf uns aus. Voller
Vorfreude starten wir counterclockwise den mit viereinhalb Stunden angegebenen gut
ausgeschilderten Skyline Trail. Anscheinend ist die übliche Route clockwise,
deshalb sind wir glücklicherweise dreiviertel des Weges völlig alleine
unterwegs. Die malerischen Myrtle Falls liegen noch im Schatten, doch direkt
nach der Brückenüberquerung begrüßt uns schon auf einem Felsen das erste dicke
Murmeltier. Es sonnt sich auf einem wärmenden Felsen und blinzelt genießerisch
mit den Äuglein. Dann wählen wir den direkteren Golden Gate Trail und hier
blüht ein traumhaft schönes Blumenmeer von weißen sternförmigen Avalanche Lily auf
den Hängen. Wir bleiben in dieser Idylle über eine Stunde hängen. Ein
Murmeltier Pärchen spielt Fangen und vollführt kleine Kämpfchen, kleine Bäche
von Schmelzwasser durchziehen die Wiesen, die Wildblumen blühen und im
Hintergrund thront der schneebedeckte Mt Rainier vor stahlblauem Himmel. Was
für ein Previleg diese fantastischen Natureindrücke alleine für uns erleben zu
dürfen; da geht mir das Herz so richtig auf. Nur schwer kann ich mich von
diesem Anblick trennen und wir laufen in einigen steilen Kehren immer höher
hinauf. Weitere Murmeltiere; ja ganze Murmeltierfamilien kreuzen ohne Scheu unseren
Weg und hoppeln sogar neugierig näher.


Das letzte Stück bis zum
Panorama Point zieht sich dann unerwartet in die Länge und wir kämpfen uns im hochalpinen
Gelände schnaufend in ungewohnter Höhe über einige tiefe Schneefelder. Glücklich
am Panorama Point angekommen, ist die 360° Aussicht sensationell und wir können
bis zum Mt Adam und sogar bis zum berühmten Mt St Helen schauen. Hier stoßen
auch die ersten Wanderer und Seilschaften auf uns, einige ziehen mit gebuchten Bergführern
noch höher auf den gigantischen Nisqually Gletscher hinauf.


Auch der Abstieg über den noch
teilweise mit Schnee bedeckten Glacier Vista Trail ist total abwechslungsreich
und kurzweilig; ein Murmeltier liegt platt wie eine Flunder auf einer
Schneefläche und kühlt sich den Bauch ab, wie niedlich! Weiter unten am
Deadhorse Creek Trail sind dann wieder mehr Wildblumen zu sehen, magentafarbene
Indianpaintbrush, blaue Lupinen und wieder tausende Avalanche Lilys. Geschafft,
aber begeistert ruht sich T. im Visitor Center aus und ich flitze nochmals zu
den Myrtle Falls, die nun voll in der Sonne liegen. Das Fotografieren dort ist
dennoch nicht einfacher, denn gegen Mittag wird es voller und es sind nun viele
Wanderer unterwegs.

25

17.08.2017, 16:35

Nun fahren wir abwärts
Richtung Reflektion Lake. Eine untrügliche Ansammlung am Straßenrand haltender
Autos und aufgeregt umherrennende Menschen lässt uns eine Vollbremsung machen;
das kann nur eins bedeuten…!


Ich springe aus dem Auto und
lasse mir die Blickrichtung angeben und …
da ist er ein großer Schwarbär. Weit unten auf den saftigen Wiesen
trottet er gemütlich auf Futtersuche nach leckerem Klee daher. Happy über
unsere überraschende Bärensichtung, halten wir dann am Reflektion Lake. Leider
wellt eine leichte Brise die Wasseroberfläche, da müssen wir es morgen nochmals
versuchen.


Ein kurzer Blick auf die
Christine Falls genügt uns, dann stoppen wir an den wunderschönen Narada Falls.
Ich mache mich mit mittlerweile etwas wackeligen Beinen auf den kurzen steilen
Abstieg zum Fuße der Falls hinunter. Unten gibt es durch den Sprühnebel der
Fälle eine herrliche frische Abkühlung. Das Wasser donnert ganz schön laut
herunter und rechts erscheint sogar ein kleiner Regenbogen. Die Narada Falls
sind auf jeden Fall eine Empfehlung!


Zum Schluss parken wir noch am
Cougar Rock Campground nahe am breiten Flussbett des Nisqually Rivers. Man kann
hier über das grobe Geröll bis zum reißenden Gebirgsfluss hinlaufen. Wer sich
traut über den wild sprudelnden Fluss über eine provisorische Baumstammbrücke zu
balancieren, wird mit tollen Fotooptionen auf den mächtigen Mt Rainier belohnt.


Das Dinner nehmen wir im angesagten
Cooper Creek Inn ein. Nach einiger Wartezeit „wait to be seated“ erhalten wir
auf der Terrasse einen guten Platz und der Lachs mit Tagliatelle ist sehr
schmackhaft. Leider passt das legendäre selbstgemachte Blackberry Pie mit
Vanilleeis nicht mehr rein, was sämtliche Gäste zu einem unverständlichen Kopfschütteln
veranlasst …

26

17.08.2017, 18:13

Tag
12:


Heute morgen fühlt sich T.
nicht wohl; ihm steckt noch die anstrengende Wanderung in den Knochen und die
Hitze hat ihm auch zugesetzt. Nach einem kurzen Stopp am nun fast
spiegelglatten Reflektion Lake.


Etwas später biegen wir
Richtung Sunrise Area ab und kurven rauf bis zum Sunrise Point.Es gibt einen
schönen Blick runter zum Sunrise Lake und natürlich den tollen Mt Rainier aus
einem neuen Blickwinkel. Oben auf dem Parkplatz am Visitor Center halten wir
gegen 9 Uhr. T. macht es sich im Auto bequem und möchte sich einfach nur
ausruhen.


Etwas unmotiviert mache ich
mich auf den Weg doch noch meinen Herzenswunsch die Wildblumenwiesen, in die
ich mich im Vorfeld auf Fotos bei Profi-Fotografen verliebt hatte, zu entdecken. Nach einem
leichten Anstieg geht es recht gemütlich auf einer Höhe entlang der Sourdough
Ridge. Auch hier sind die Wanderwege super ausgeschildert und die Strecke ist
sehr abwechslungsreich. Nach über einer Stunde erreiche ich den Frozen Lake mit
wiederum traumhaften Ausblicken.




Hier komme ich mit einer
älteren Wandergruppe ins Gespräch und alle bestärken mich darin unbedingt noch
bis zu meinem Traumziel dem Barkeley Park weiter zu wandern. Das Wetter wäre
super, die Höhenmeter machbar, jetzt wäre ich einmal von Deutschland bis hierher
angereist und dies wäre eine „once in a lifetime“ Chance. Ich gebe mir einen
Ruck und ziehe ganz alleine langsam die vielen Höhenmeter immer weiter hinunter
ins Tal. Je tiefer ich komme, desto mehr nehmen die Wildblumen auf den sanften Hängen
zu. Zuerst sind es überwiegend die blauen Lupinen durchsetzt mit kleinen weißen
Blümchen. Später kommen magentafarbene Indian Paintbrush, lilafarbene Astern
und viele abertausende andere Wildblumen hinzu und es liegt ein schwerer süßer
Blütenduft in der Luft. Auf schmalem Pfad schlängle ich mich tiefer und tiefer,
vorbei an einem schönen Wasserfall. Was soll ich sagen; ich komme mir vor wie
Alice im Wunderland - es ist das Paradies!


An einem kleinen Bachlauf fotografiere ich
noch die seltenen Purple Monkey Flower und wünsche mir für interessantere
Effekte meinen Graufilter herbei. Schweren Herzens drehe ich irgendwann um und
genieße beflügelt den Rückweg durch die blühenden alpinen Wiesen. Die
Höhenmeter machen mir nach der gestrigen langen Wanderung zu schaffen, doch
dieses einmalige Erlebnis ist jeden Schritt wert. Die älteren Leute begegnen
mir weiter oben nochmals und klopfen mir freudestrahlend und wohlwollend auf
die Schultern: You made it! Zurück wähle ich den mir bereits bekannten Weg,
angeblich gibt es noch Schneefelder Richtung Shadow Lake und ich möchte nun einfach
zügig zum Parkplatz.
Nach vier Stunden bin ich erleichtert aber sehr glücklich
wieder am Auto.

27

17.08.2017, 18:14

Am Nachmittag erreichen wir
Seattle und biegen kurz vorm täglichen Feierabend Stau Richtung Alki Beach ab.
Nach den vielen alpinen Erlebnissen, wird es nun endlich Zeit für das Meer. Wir
halten an der Uferpromenade und knipsen die drei Grazien vor der fantastischen
Kulisse der Skyline von Seattle. Weiter Richtung Strand entdecken wir die kleine
Miniaturausgabe der „Statue of Liberty“. Am Beach liegen die Menschen in der
Sonne, es wird Volleyball gespielt und es ist ein richtig toller Sommertag. Wir
kehren in einem verrückten mexikanischen Lokal ein und essen lecker Burrito.


Anschließend fahren wir
Richtung Seattle und erreichen den Queen Anne Hill, wo sich unsere airbnb
Unterkunft für die nächsten zwei Tage befindet. Die Straße ist gruselig steil, sogar
viel steiler als in San Francisco, aber wir finden einen Parkplatz direkt am
Haus. Wir werden herzlich von Pam begrüßt und zügig in unser geräumiges Appartment
eingewiesen. Es gibt einen leckeren Begrüßungswein im Küchenbereich, frische
Milch steht im Kühlschrank bereit und wir haben eine große Terrasse mit
Needleblick! Was will man mehr; wir beglückwünschen uns zu dieser guten Wahl. Wir
machen uns frisch, ruhen etwas aus und fahren zum Kerry Park, der gleich um die
Ecke liegt. Natürlich sind hier auch viele andere Touristen, doch die meisten
halten sich nicht lange auf. Wir genießen die tolle Aussicht auf die Stadt, die
Needle und wir freuen uns total, dass auch in der Ferne der Mt Rainier klar zu
erkennen ist. Der Sunset ist sparsam und der Kampf um einen guten Platz fürs
Stativ nervt, da sich viele Touristen rücksichtslos in den Vordergrund drängen.
Wir lassen den Abend auf der Terrasse bei einem Glas Wein ausklingen.

28

18.08.2017, 21:59

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »yvyrastlos« (19.08.2017, 23:40)


29

19.08.2017, 23:38

Startseite - Painted Hills im John Day Fossil Beds NM und Smith Rock State Park

Bislang sind es noch zu viele Fotos, aber die Auswahl fällt mir soooo schwer...

reh

Mr. UNA

  • »reh« ist männlich

Beiträge: 79 632

Wohnort: Neuss-Allerheiligen

Beruf: Gymnasiallehrer

  • Nachricht senden

30

19.08.2017, 23:48

Das eine Foto im ersten Bericht habe ich angepasst
Liebe Grüße
REH



REHs Nordamerikareise-Seite - Das Forum "Unser Nordamerika"

--- The only way to learn Math is to do Math ---

31

24.08.2017, 14:20

Tag 13:




Der Blick nach draußen
verheißt heute erstmals bewölkten Himmel und dichten Nebel. Tatsächlich sind
wir sogar froh, dass es endlich mal angenehme Temperaturen und keine heiße
Sonne sind. Nach einem selbstgekochten Kaffee steigt der Hunger und wir gönnen
uns erst mal ein gemütliches Frühstück im von Pam empfohlenen Café nahe der
Needle.


Eigentlich hatte ich geplant
mit der Monorail in die Stadt zu fahren, doch T. will mal lieber unbedingt
selbst fahren. Trotz Navi verpassen wir mal wieder die Abfahrt und sind schon
am Union Lake. Genervt versuche ich noch schnell umzuplanen, doch das blöde Navi
findet meine Eingaben nicht. Also wieder zurück und schon stehen wir im Stau
und verlieren kostbare Zeit. Mist!
Zuerst möchte T. als Fan das Century Link
Field American Football Stadion, Heimat der Seahawks, besichtigen. Hier parken
wir dann auch direkt für 8$. Leider versäumen wir es in der Nähe in den sehenswerte
im Beaux-Arts Stil gebauten Bahnhof der Union Station zu gehen. Dann geht`s zu
Fuß Richtung ältestem Bezirk dem Pioneer Squere. Hier steht eine restaurierte viktorianische
Eisenpergola, ein schöner Totempfahl der Tinglit Indianer und eine kleine
Statue des Häuptlings „ Chief Seattle“. Weiter bummeln wir die 1st Avenue
entlang und entdecken den riesigen „Hammering Man“ vorm Kunstmuseum.


Plötzlich stehen wir schon an
der Post Alley Street. Ich kaufe schnell ein blaues Hubba Bubba Paket und der
ahnungslose T. guckt mich etwas irritiert an. Unseren nächsten Halt können wir
schon riechen, die Gum Wall erzeugt bei uns eine Mischung aus Ekel und
Faszination. Die Touristen haben ihren Spaß und knipsen kultige Selfies vor der
fragwürdigen Kunst. Natürlich klebe ich meinen blauen Kaugummi auch dran und
bin froh den süßen Geschmack wieder los zu sein.
Die Gasse befindet sich direkt
unter dem riesigen Pike Place Market und schon erreichen wir das Getümmel.


Hier gibt es Unmengen von markttypischen
und kulinarischen Ständen und das Highlight ist die unterhaltsame Show der Fischverkäufer,
die ihre Fische durch die Luft werfen. Wir sind von der Vielfalt der Angebote beeindruckt
und schieben uns mit den Massen vorbei. Für fröhliche Unterhaltung sorgen die zahlreiche
Straßenmusiker. Natürlich stoppen wir noch kurz am weltweit ersten Starbucks Shop
und werfen einen kurzen Blick hinein.


Entlang der Waterfront
schlendern wir dann zurück, vorbei an der Attraktion des „Great Wheel“, dem
Riesenrad und vorbei am Miners Landing. Erste Fußballfans kündigen schon das
Fußballspiel heute Abend an und wir müssen so langsam unseren Parkplatz räumen.

32

24.08.2017, 14:21

Wir machen uns auf Richtung Freemont
zur Troll Avenue/N 36th Street und entdecken das Kunstobjekt des furchteinflößenden
„Freemont Trolls“ unter der Aurora Brücke hockend. Ganz in der Nähe liegt auch
der Gas Works Park am Nordufer des Union Lakes. Das stillgelegte Heizkraftwerk erinnert
uns an die Industriekultur des Ruhrgebiets. Wir genießen den Blick auf die
Skyline von Seattle und beobachten das Treiben auf dem See: Kajakpaddler, schicke
Boote und Wasserflugzeuge bei der Landung.


Endlich zeigt sich auch die
Sonne wieder und es wird Zeit zur Space Needle zu fahren. Natürlich findet der
unverbesserliche T. direkt einen kostenlosen Parkplatz. Von hinten erreichen
wir das Museum of POP Culture und ich bin total von der beeindruckenden
Architektur des Gebäudes in den Bann gezogen. An der Monorail Station warten
wir auf die Ankunft einer Bahn und schießen tolle Fotos. Ich klettere sogar am
Kinderspielplatz hoch auf das Kletternetz, um wild schwankend zwischen
hunderten Kids, begeistert die Reflektionen und Farben der äußeren Fasse des
MoPOP einzufangen. Natürlich versuchen wir auch die zum Himmel ragende Space
Needle abzulichten. Bewusst entscheiden wir uns gegen die Fahrt hoch auf die
Aussichtsplattform und auch gegen die sicher schöne Glasausstellung
"Chihuly Garden and Glas".




Genauso begeistert sind wir
von dem nahen Platz mit dem Musikbrunnen, dessen Fontänen abgestimmt auf die Klänge des jeweiligen
Musikstückes nach oben schießen. Auch hier haben die Kinder ihren Spaß und
kühlen sich unter diesen lustigen Duschen ab; ein toller Spielplatz. Wir
verweilen ein wenig am Brunnenrand und genießen die entspannte Atmosphäre und
es bildet sich sogar ein Regenbogen vor den Fontänen.


Nun wird es aber wirklich Zeit
etwas zu essen. Im gut sortierten Supermarkt um die Ecke decken wir uns mit Salat
und einigen Leckereien ein; übrigens hätte man hier auch in Verbindung mit
einem Einkauf kostenlos parken können! Zurück
im Appartment essen wir, duschen und ruhen etwas aus.
Kurz vorm Sunset fahren
wir nochmals rüber zum Kerry Park und versuchen uns danach noch mit Stativ an
einer Nachtaufnahme der glitzernden Skyline.

33

24.08.2017, 19:22

Tag 14:


Ein schneller Kaffee im
Appartment genügt uns vorerst. Beim Verladen der Koffer kommt Pam nochmals
extra vorbei, um uns herzlich zu verabschieden. An einer Tankstelle nahe der
Space Needle flitze ich nochmal schnell zu den riesigen Wunderblumen, die sind
mir gestern durchgegangen. Ein tiefes Brummen lässt mich kurz erschrecken, dann
merke ich dass wenn man sich nähert jede Blume einen anderen Ton der Tonleiter
abgibt. Wieder eine nette musikalische Spielerei, wie überall hier auf dem
Gelände. Gegen 9.30 Uhr warten wir dann in der Autoschlange auf die nächste
Fähre rüber nach Bainbridge Island; das datumunabhängige Ticket haben wir
bereits zuhause online gekauft.


Das Wetter ist wieder besser
und wir haben einen tollen Ausblick vom Heck auf die Skyline von Seattle mit
dem „Great Wheel“ im Vordergrund. Nach einer 35 minütigen kurzweiligen
Überfahrt erreichen wir schon unser Ziel.




Nun wollen wir Richtung Sequim
fahren und halten dort kurz an der Native Art Gallery, um die großen Totempfähle
und den schön geschnitzten Wal zu fotografieren.


Im kleinen Visitorcenter
erhalten wir dann eine Karte auf der alle umliegenden Lavendelfarmen abgebildet
sind. Zwar ist das Lavendelfestival bereits letzte Woche gewesen, doch der
Lavendel steht immer noch in voller Blüte. Zuerst besuchen wir die Purple Haze
Lavender Farm und ich bin entzückt. Man kommt sich vor wie in der Provence;
lange Reihen von duftendem Lavendel in verschiedenen lilafarbenen Tönen sind wunderschön
angepflanzt. Einige Leute laufen mit kleinen Körbchen hindurch und schneiden
sich ihren Lavendel selbst ab. T. lässt sich am Pavillion nieder und bestellt
erst mal ein dickes leckeres Lavendeleis; einen Shop mit allerlei
Lavendelprodukten gibt es natürlich auch. Begeistert knipse ich drauflos und
bin schließlich um 100 Fotos reicher.


Außerdem steuern wir noch weitere
kleine Farmen an, aber das herrschaftliche Lavender Washington Inn B&B gefällt
uns am besten. Links und rechts schmücken die Lavendelpflanzen die lange
Auffahrt. Das wunderschöne Haus liegt schon am Meer und der Eingangsbereich ist
repräsentativ.

34

24.08.2017, 19:22

In Port Angeles kehren wir
erst einmal ein und bestellen mal wieder einen leckeren Burger mit Cesar Salat.
Eigentlich sollte man nun die Hurricane Ridge anfahren bei diesem tollen Wetter
und super Weitsicht bis rüber nach Vancouver Island, doch nachdem wir bereits schon
so viele tolle Erlebnisse in den Bergen hatten, entscheiden wir uns dagegen. Mich
zieht es ans Meer und deshalb fahren wir zur Salt Creek Recreation Area und
halten am Parkplatz an der Crescent Street Road. Am Strand entdecken wir dann
unseren ersten Seastack, ein hübsches Inselchen im Meer mit Bäumen drauf. Toll,
es werden noch viele entlang der Oregon Coast folgen…


Es ist schon wieder Nachmittag
und wir steuern nun unsere nächste Unterkunft am malerischen Lake Crescent an.
Wir checken in der historischen Lodge im Nationalpark ein und hieven unsere
schweren Koffer in die 1. Etage. Der historische Raum ist zwar klein, aber
sauber und auch mit einem Waschbecken ausgestattet. Diesmal gibt es nur ein „shared
bath“ auf dem Flur, aber die Lage und das Ambiente der Lodge entschädigt dafür.
Leider ist das enge Queensize Bett sehr kurz und in der weichen Matratze rollen
wir in der Nacht ständig zusammen.




Draußen schnappen wir uns einen
freien Deckchair, machen es uns mit einem Glas Wein am glitzernden Seeufer
gemütlich und verbringen geruhsam die letzten sonnigen Nachmittagstunden mit
Blick auf den ruhigen klaren See. Als es dunkel wird, verziehen wir uns in die gemütliche
Lodge auf eine breite Couch am knisternden Kaminfeuer. Hier kommen wir mit
einer netten amerikanischen Familie ins Gespräch und so klingt der Abend sehr unterhaltsam
aus.



35

25.08.2017, 19:06

Tag 15:


Heute gibt es ein leckeres
Frühstück in der Lake Crescent Lodge. Die Ausblicke aus dem historischen Frühstücksraum
auf den See sind super schön. Um genügend Zeitpuffer zu haben, verzichten wir
schweren Herzens auf die zweistündige Wanderung zu den sicher sehr schönen Sol
Duc Falls.




Kurz halten wir im verschlafenen
Sekiu und fahren bis zum kleinen Hafen. Hier fotografieren wir drei nette
Seastacks und entdecken auf einem Pfahl im Wasser einen jungen Weißkopfseeadler.
Bei der Ausfahrt schießen wir noch ein Foto von der witzigen Rosie und ihrem Fischfreund.
Am Rasmussen Beach soll sich ein interessanter Seastack befinden und wir finden
ihn dann auch. Es ist gerade Ebbe und wir können links am Ufer entlang laufen
und sind sofort am sehr dekorativ gewachsenen Felsen. Als Bonus schwimmt bei
ruhiger See ganz nahe ein großer Grauwal vorbei und prustet laut aus seinem
Atemloch. Toll!


In Neah Bay am Makah Tribal
Museum erstehen wir eine Permit für das spektakuläre Cape Flattery. Bald
erreichen wir den Parkplatz und laufen knapp 30 Minuten über gut angelegte
Boardwalks, vorbei an einem Octopustree bis zu einigen angelegten Aussichtsplattformen.
Am Ziel haben wir einen super Blick auf die felsige Küste, interessant geformte
Seastacks, und das vorgelagerte Tatoosh Island mit dem Leuchtturm. Es wiegen
sich Massen von schlauchartigen Kelpalgen hin und her und das Meer leuchtet in
wunderschönen Grünschattierungen. In versteckten dunklen Höhlen und an den unglaublich
steilen Felswänden brüten Kormorane und in einem Baum sitzt ein stattlicher Weißkopfseeadler.
Ich suche nach einer speziell gewachsenen Zypresse, doch traurig bemerke ich,
dass leider nur noch ein abgerissener Baumstumpf an dieser Stelle existiert. Da
zeigt T. auf ein einzelnes kleines Vögelchen weit draußen; es ist tatsächlich …..
ein Papageientaucher (Puffin)! Ich bin begeistert und versuche den lustigen
Gesellen heranzuzoomen. Damit hätte ich gar nicht gerechnet und freue mich sehr
über diese seltene Vogelsichtung.

36

25.08.2017, 19:07

Gegen Mittag erreichen wir
Forks und kehren in der dortigen Pizzeria ein. Die Pizza schmeckt hervorragend !


Anschließend bleibt noch
reichlich Zeit und wir steuern über die nördliche Mora Road den wildromantischen
Rialto Beach an. Gigantische Treibhölzer versperren uns die Sicht auf den langen
Strand und wir müssen erst mal einige angeschwemmte Baumstämme überklettern. Wow,
so gewaltige Baumstämme habe ich noch nie gesehen; wir fühlen uns klein wie
Ameisen. Die unfassbar riesigen Dimensionen hier kann man einfach nicht auf ein
Foto bannen und selbst ein Mensch zum direkten Vergleich daneben positioniert,
gibt die Szenerie nicht angemessen wieder. Der Blick nach links Richtung First
Beach ist schon mal toll, aber weit in der Ferne immer den Strand entlang,
erkennen wir eine vielversprechende Felseninsel Ansammlung. Dort soll sich auch
das Hole in the Wall befinden. Wir beschließen auf jeden Fall nochmal zum
Sunset heute oder morgen wieder zu kommen.


Nun wird es Zeit in unserem liebevoll
geführten Misty Valley Inn B&B nahe Forks einzuchecken. Herzlich werden wir
von der Hausherrin Rachel empfangen, durch das Haus geführt und wir fühlen uns
direkt sehr wohl. Das Zimmer / Bett ist gemütlich und das Bad qualitativ
hochwertig. Wir bekommen Tee, Cookies und köstlichen Schokoladenkuchen
angeboten.

37

25.08.2017, 19:07

Gegen Abend wollen wir nun über
die südliche La Push Road den fantastischen Second Beach besuchen. Am Parkplatz
und Trailhead ist es am heutigen Sonntag ziemlich voll und Familien schleppen
Zelte und Picknickkörbe den Waldweg zum Strand hinunter. Nach ca. 20 Minuten
Wanderung durch den dichten Regenwald sind wir endlich da. Man muss nicht weit
laufen, denn direkt sieht man einige hübsche bewaldete Felseninseln bzw. tolle Seastacks.
T. macht es sich im warmen Sonnenschein auf dem Treibholz gemütlich und
beobachtet die kreative Camping Szenerie. Ich schlendere herum und prüfe schon
mal verschiedene Blickwinkel für den Sonnenuntergang. Läuft man am Strand nach
rechts sieht man auch einen tollen Arch, der sich am Ende der aufs Meer
ragenden Landzunge befindet. Ich freue mich schon auf die untergehende Sonne
und bin ganz aufgeregt.




Doch plötzlich deutet sich am
Horizont eine kleine Nebelrolle an. Oh nein! Binnen einer Stunde verdichtet
sich der schreckliche "Nebel des Grauens" immer mehr, bedrohliche Nebelschwaden
ziehen zwischen den Felsen umher und ehe wir uns versehen hocken wir im
feuchten, dunklen Nebel. Das wird wohl nichts mehr mit dem ersehnten Sunset. Schade!
Neidisch schielen wir auf das wärmende
Lagerfeuer der Nachbarn und werden prompt freundlich herangewunken. Wir freuen
uns sehr über diese Einladung und kommen mit den beiden netten Mädels ins
Gespräch, quatschen über Berufliches, über Politik und die Zeit vergeht wie im
Fluge. Erst nach 21 Uhr verabschieden wir uns von unseren neuen Bekannten und brechen
mit großem Bedauern zügig den Rückweg durch den düsteren Wald an. Wir haben zwar
Taschenlampen dabei, doch die Dämmerung ist noch gerade so ausreichend, um den
Pfad zu erkennen und wir stapfen schweigend voller Eindrücke zurück zum
Parkplatz. Eine solch überraschende Begegnung mit interessanten Menschen am
romantischen Lagerfeuer hätten wir sicher bei einem richtigen Sunset so nicht erleben
dürfen.

38

25.08.2017, 21:18

Tag 16:


Heute morgen werden wir, wie
vereinbart um 7 Uhr von einem zarten Klopfen an der Zimmertür geweckt. Auf
einem kleinen Tablett hübsch dekoriert mit Blümchen und dem aktuellen
Wetterbericht steht schon ein erster heißer Kaffee, den man sich vor dem
Frühstück aufs Zimmer holen kann. Das Frühstück ist dann einfach nur umwerfend.
Jeder darf am Vortag schon seine individuellen Wünsche bestellen und diese
werden nun eindrucksvoll von einer netten Bedienung serviert. T. bekommt einen
riesigen Crêpe mit frischen Erdbeeren und Sahne. Für mich gibt es einen mächtigen
doppelten Blaubeerpfannkuchen ebenfalls mit reichlich Sahne. Außerdem gibt es
noch vorab einen kleinen Obstsalat und für jeden liegt auf einem Tellerchen extra
noch ein süßes Teilchen. Auch wenn es super lieb gemeint ist, wir schaffen
diese Mengen beim besten Willen nicht zu vertilgen. Über die verspielt gedeckteTafel
hinweg werfen wir uns vielsagende Blicke mit den anderen Gästen zu und kommen
nett ins Gespräch. Für den nächsten Morgen wissen wir nun Bescheid und
bestellen ausdrücklich etwas kleinere Portionen. Draußen auf der blumengeschmückten
Terrasse gibt es eine Futterstelle, die morgens stark besucht wird von flinken
Eichhörnchen und blauen Diademhähern. Noch zeigt der Blick ins Tal einige
Nebelschwaden.


Unser erstes Ziel ist nun der beeindruckende
Hoh Rainforrest mit einer wohl einzigartigen Natur. Als wir den Parkplatz des "Hoh
Rain Forrest" erreichen, kommt langsam auch die Sonne zwischen den
moosbewachsenen Ästen hervor. Der Park hat eine atemberaubende Vegetation,
bizarre Bäume, große Farne und riesige Wurzeln. Die Farben der Algen im kleinen
Bach zeigen ein sattes Grün. Der „Hall of Mosses Trail“ ist einfach auf
ausgeschilderten Pfaden zu erkunden. Wir sind fasziniert, wie unglaublich lang
die Flechten und Moose von den Zweigen herunterhängen; wie in einem Zauberwald.
Leider verzichten wir auf den „Spruce Nature Trail“ und verpassen durch den
schnellen Aufbruch bestimmt ein absolutes Highlight! Wir erfahren von Gästen am
nächsten Morgen, die uns stolz ihre Fotoausbeute präsentieren, dass wohl ein
kleiner Babyschwarzbär einfach mal ins Visitorcenter spaziert sei und seine
Bärenmutter gleich hinterher. Das nenne ich wirklich Pech gehabt!



39

25.08.2017, 21:18

Nun fahren wir weiter südlich
auf der Road 101 zum großartigen, einfach zugänglichen Ruby Beach. Nur kurz ist
der Weg hinunter vom Parkplatz und schon eröffnet sich der Blick auf einen
Flusslauf, große Treibhölzer und wunderschöne fotogene Felsinseln. Der Strand
ist gut besucht, zahlreiche bunte Strandstühle sind kreisförmig aufgebaut, doch
verlaufen sich die vielen Menschen bald und jeder findet am weiten Strand ein
ruhiges Plätzchen. Wir halten Ausschau nach Tidepools und entdecken grüne Seeanemone
und orangefarbene Seesterne in den umspülten Felsspalten. Dann klettern wir
zwischen den ausgeblichenen Baumstümpfen umher und suchen nach besonders schön
geformten Treibholzstücken. Auch hier brechen wir nur ungern auf und ich vermag
am Ende nicht zu sagen, welcher der besuchten Strände mir am besten gefallen
hätte; alle drei sind einfach nur sensationell und ich möchte sofort wieder an
diese wilden naturbelassenen Pacificstrände zurück!


Nur ein kurzes Stück weiter
halten wir an der tollen Kalaloch Lodge und wir können die positiven
Rückmeldungen nur bestätigen. Wir essen auf der sonnigen Terrasse Fish and
Chips mit einem traumhaften Blick auf den geschwungenen Fluss und das weite Meer.
Der Service lässt allerdings zu wünschen übrig. Die Lage der einzelnen Häuschen
direkt am Meer ist einfach unschlagbar; auch wenn veraltete Ausstattung und
Sauberkeit wohl teilweise beanstandet werden; hier hätten wir auch gerne
mindestens eine geruhsame Nacht verbracht. Ich fotografiere noch den hübschen
weißen Pavillion und dann treten wir den Rückweg an. Die „Tree Root Cave“ nahe am
Campground besichtigen wir leider nicht mehr.

40

25.08.2017, 21:19

Bis zum B&B zurück zu
fahren lohnt sich nicht mehr, deshalb stoppen wir noch kurz am First Beach und
trinken erst einmal im Restaurant „At Waters Edge“ einen leckeren Kaffee. Noch
bin ich unschlüssig, wo wir den Sonnenuntergang fotografieren wollen, nachdem uns
ja gestern der Nebel eine Strich durch die Rechnung gemacht hat. Was wenn der
Nebel wieder kurz vorm Sunset aufzieht?


T. möchte eigentlich nicht
noch einmal zum Second Beach, doch ich habe Bedenken ca. eine Stunde am Rialto
Beach entlang bis zu den verheißungsvollen Seastacks zu laufen. Wie wird der
Rückweg später sein; im Dunkeln oder gar bei Flut über das Treibholz klettern?
Auch sind meine Informationen etwas spärlich über den hinteren Teil des Rialto
Beaches und ich weiß nicht so recht, was uns dort erwarten wird. Doch wir
raffen uns auf, packen einen Rucksack mit ausreichend Getränken und auch Taschenlampen
ein. Dann marschieren wir gemütlich am endlos weiten dunklen Sandstrand
entlang. Unterwegs sieht man kaum noch Menschen. Die bizarren Seastacks in der
Ferne wollen einfach nicht näher kommen und wir benötigen bis zum „Hole in the
Wall“ eine gute Stunde.


Doch die Eindrücke hier sind
einzigartig und entschädigen einen für den weiten Weg. T. macht es sich mal
wieder auf dem mächtigen Treibholz gemütlich und ich knipse begeistert die
beiden bewachsenen Split Rocks. Hoch oben auf einer Baumspitze sitzt sogar ein
Weißkopfseeadler. Da Flut herrscht, kann man durch das Felsenloch nicht hindurch
laufen, aber es gibt einen steilen, zugewachsenen Pfad hinauf auf einen schmalen
einsamen Grad. Der einmalige Ausblick von hier oben auf den Rialto Beach mit
den spitzen Felseninseln bis weiter zum First Beach lässt mein Herz vor Freude
hüpfen. Ich sauge ergriffen alle Eindrücke tief in mich auf, sodass ich sie nie
mehr vergessen kann und dies ist definitiv ein Highlight dieser Reise.


Das muss T. auch sehen und ich
klettere nach einiger Zeit wieder runter, um ihm auch diesen wunderschönen Ort
zu zeigen. Meckernd kraxelt er mit mir den Pfad rauf und zerkratzt sich die
Beine am Gestrüpp, doch oben ist auch er von der Aussicht begeistert. Pünktlich
zum goldenen Sunset, glücklicherweise gibt es heute keinen Nebel, sind wir dann
unten an den dekorativen Split Rocks und versuchen andächtig die Stimmung und
die tollen Farben mit dem Fotoapparat bzw. Handy einzufangen. Toll, wie die
letzten Sonnenstrahlen genau zwischen den Felsennasen durchblitzen. Gerne wäre
ich noch länger geblieben, um alle Rosa-, Lila- und Blauabstufungen auch zu erwischen,
doch direkt als die Sonne am Horizont versinkt, machen wir uns strammen
Schrittes auf den langen Rückweg. Zum Glück zieht sich das Meer weiter zurück
und der Sand unter unseren Schuhen ist sehr fest. Auch diesmal benötigen wir für
den Fußmarsch wieder eine gute Stunde in der zunehmenden Dämmerung und wir sind
doch erleichtert endlich am Parkplatz angekommen zu sein.


An unserer Unterkunft
angekommen, nehmen wir eine heiße Dusche und lassen den Abend im gemütlichen Gemeinschaftswohnzimmer
bei einem riesigen Stück Carrotcake und heißem Tee ausklingen.